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Covid-19 Update 03.11.2021

Ö: 7-Tages-Inzidenz von 1.032 bei ungeimpfter Jugend; USA: grünes Licht für Impfung von Kindern

Coronavirus Warnung

+++ 7-Tage-Inzidenz bei ungeimpften Jugendlichen über 1.000 – USA können mit Impfungen von Fünf- bis Elfjährigen starten – Auch US-Expertengremium empfiehlt Biontech-Impfung für Kinder – WHO erteilt indischem Impfstoff Covaxin Notfallzulassung ECDC-Leiterin: „Impfstoffe sind Ticket aus dieser Pandemie“ – WKO und ÖGB kritisieren Pläne zu 2,5G am Arbeitsplatz +++

7-Tage-Inzidenz bei ungeimpften Jugendlichen über 1.000

Aktuelle Zahlen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) belegen einmal mehr die Wirkung der Schutzimpfung gegen das Coronavirus. So liegt in der Gruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen die 7-Tages-Inzidenz bei den Nicht- und unvollständig Geimpften bei knapp 1.032 und ist damit mehr als zehnmal höher als bei den Gleichaltrigen mit vollständigem Impfschutz.

Die vollständig Immunisierten Zwölf- bis 17-Jährigen halten aktuell bei einer Inzidenz von knapp 103 (Stichtag: 1. November). In der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen ist die Inzidenz bei den nicht bzw. nicht vollständig Immunisierten fast viermal so hoch: Während sie bei ihnen bei 850 Fällen je 100.000 Einwohner liegt, liegt sie bei den zur Gänze Geschützten bei rund 220. Ähnlich weit klafft die Schere bei der Generation 60 plus auseinander: Die Inzidenz bei den Vollimmunisierten beträgt aktuell knapp 178 bei den Un- bzw. nicht zur Gänze geimpften dagegen 714.

Was die reinen Infektionszahlen betrifft, ist in der Vorwoche (25. bis 31. Oktober) das Durchschnittsalter der Betroffenen auf 38,3 Jahre geklettert. Das ist der höchste Wert seit Anfang April 2021. Der Trend des Sommers, als SARS-CoV-2 vor allem die Jugend und jungen Erwachsenen betroffen hat, ist vorbei. Mittlerweile sind 23,6 Prozent und damit fast ein Viertel der Infizierten über 55 Jahre alt.

In absoluten Zahlen haben die meisten Fälle in der vergangenen Woche die Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen betroffen, wo insgesamt 5.549 Infektionen zu verzeichnen waren. Mit 16 Prozent am gesamten Infektionsgeschehen lag diese Altersgruppe knapp vor den 25- bis 34-Jährigen (5.314) und den 45- bis 54-Jährigen (5.184). Umgelegt auf die Fälle je 100.000 Einwohner, waren jedoch die Sechs- bis 14-Jährigen mit einer 7-Tages-Inzidenz von 621,5 mit deutlichem Abstand die am stärksten betroffene Gruppe. (APA)

USA können mit Impfungen von Fünf- bis Elfjährigen starten

In den USA ist der Weg für Corona-Impfungen auch von jüngeren Kindern frei. Die US-Gesundheitsbehörde CDC sprach sich am Dienstag, 2.11., für eine Impfung von Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren mit dem Vakzin von Biontech und Pfizer aus. CDC-Direktorin Rochelle Walensky gab grünes Licht, nachdem Berater der Behörde dem Schritt einstimmig zugestimmt hatten.

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hatte dem Impfstoff bereits am Freitag, 29.10., eine Notfallzulassung für den Einsatz in dieser Altersgruppe erteilt. Für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren war der Impfstoff im Mai in den USA freigegeben worden.

US-Präsident Joe Biden sprach von einem Wendepunkt im Kampf gegen Corona. „Das Programm wird in den kommenden Tagen hochgefahren und in der Woche des 8. Novembers voll einsatzbereit sein. Eltern werden ihre Kinder in Tausende von Apotheken, Kinderarztpraxen, Schulen und andere Einrichtungen bringen können, um sich impfen zu lassen“, erklärte er. Erste Impfungen könnten bereits am Mittwoch, 3.11., verabreicht werden.

„Wir wissen, dass Millionen von Eltern ihre Kinder unbedingt impfen lassen wollen, und mit dieser Entscheidung haben wir nun die Empfehlung ausgesprochen, dass etwa 28 Millionen Kinder einen Covid-19-Impfstoff erhalten“, sagte Walensky. Sie wies darauf hin, dass die Zahl der Krankenhauseinweisungen von Kindern während der jüngsten Corona-Welle, die durch die hochansteckende Deltavariante ausgelöst wurde, sprunghaft angestiegen sei.

Das Risiko, das von Covid-19 ausgehe, „ist zu hoch und zu verheerend für unsere Kinder und viel höher als bei vielen anderen Krankheiten, gegen die wir Kinder impfen“, sagte sie. Zudem hätten die Schließungen von Schulen schädliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Kinder. „Die Impfung kann uns helfen, all das zu ändern.“ (APA/Reuters)

Auch US-Expertengremium empfiehlt Biontech-Impfung für Kinder

Nach der Notfallzulassung des Corona-Impfstoffes von Biontech/Pfizer für Kinder zwischen fünf und elf Jahren in den USA hat auch ein Expertengremium der Gesundheitsbehörde grünes Licht gegeben. Der formale Schritt, von dem US-Medien am Dienstag, 2.11., übereinstimmend berichteten, war erwartet worden. Damit kann die Impfkampagne für die etwa 28 Millionen betroffenen Kinder in den USA nun, wie vom Weißen Haus bereits geplant, wohl noch in dieser Woche starten.

Eine klinische Studie zeigte nach Angaben von Biontech/Pfizer, dass der Impfstoff für Kinder dieser Altersgruppe „gut verträglich“ sei und eine „starke Immunantwort“ einen Monat nach der zweiten Dosis hervorrufe. Verglichen mit Erwachsenen und Jugendlichen wurde den Fünf- bis Elfjährigen eine deutlich geringere Dosis des Vakzins verabreicht. Die zweite notwendige Injektion erhielten sie nach 21 Tagen. An der Studie nahmen 2.268 Kinder in dem Alter teil.

Der Impfstoff des deutschen Herstellers Biontech und seines US-Partners Pfizer ist in den USA bereits für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren und für Erwachsene zugelassen. Die Wirkstoffe von Moderna sowie von Johnson & Johnson dürfen bisher nur bei Erwachsenen eingesetzt werden.

Auch in Europa haben Biontech und Pfizer eine Zulassung ihres Corona-Impfstoffs für Kinder beantragt, wie sie Mitte Oktober mitteilten. Demnach übermittelten sie der EU-Arzneimittelbehörde EMA die entsprechenden Daten. Eine Entscheidung der EMA ist vor Weihnachten anvisiert. (APA/dpa)

WHO erteilt indischem Impfstoff Covaxin Notfallzulassung

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den ersten Corona-Impfstoff aus Indien anerkannt. Sie erteilte dem Präparat Covaxin der Firma Bharat Biotech am Mittwoch, 3.11., eine Notfallzulassung, wie die WHO in Genf bekannt gab. Diese Zulassung haben damit nun inzwischen sieben Mittel: neben Covaxin auch die Impfstoffe von Biontech/Pfizer, Moderna, AstraZeneca, Johnson&Johnson, Sinopharm und Sinovac. Die Prüfung des russischen Impfstoffs Sputnik V ist noch nicht abgeschlossen.

Die WHO-Notfallzulassung hat keine Relevanz für Länder oder Regionen mit eigenen Regulierungsbehörden wie die EU oder die USA. Sie prüfen Sicherheits- und Wirksamkeitsstudien selbst und entscheiden dann über eine Zulassung. Länder, die keine derartigen Behörden haben, verlassen sich aber bei der nationalen Zulassung auf die WHO. Auch UN-Organisationen können solche Impfstoffe dann kaufen und einsetzen. Die WHO empfiehlt allen Ländern, die Impfung mit Stoffen, die eine WHO-Notfallzulassung haben, bei Reisenden anzuerkennen.

Im Fall von Covaxin hätten die technischen WHO-Experten festgestellt, dass der Nutzen einer Impfung deutlich größer sei als mögliche Nebenwirkungen, teilte die WHO mit. Die Wirksamkeit des Vakzins liege bei 78 Prozent (beim Biontech/Pfizer-Impfstoff im Vergleich bei mehr als 90 Prozent). Covaxin wird aus einem inaktivierten SARS-CoV-2-Antigen hergestellt. Der Impfschutz wird mit zwei Dosen hergestellt. Das Präparat ist in Indien, mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern zweitbevölkerungsreichstes Land der Welt, schon weit verbreitet. (APA/dpa)

ECDC-Leiterin: „Impfstoffe sind Ticket aus dieser Pandemie“

Die Leiterin der EU-Gesundheitsbehörde ECDC, Andrea Ammon, hält eine flächendeckende Immunisierung für den einzigen Weg, die Ausbreitung des Coronavirus in den Griff zu bekommen. „Die Impfstoffe sind unser Ticket aus dieser Pandemie“, sagte Ammon am Freitag, 29.10., bei einem Besuch in Lettland. Angesichts der in der gesamten EU dominierenden hoch übertragbaren Delta-Variante sei es wichtig, einen großen Teil der Bevölkerung zu impfen.

Dafür gebe es in der EU vier Impfstoffe, die „zugelassen, verfügbar und wirksam“ seien, sagte die deutsche Medizinerin nach einem Treffen mit dem lettischen Gesundheitsminister Daniels Pavluts in Riga. Wie hoch die Impfquote sein muss, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen, lasse sich nicht sagen. „Ich weiß, das ist die Zahl, die jeder wissen will. Es ist noch nicht möglich, einen endgültigen Schwellenwert anzugeben“, so Ammon. Bei Risikogruppen müsse sie auf jeden Fall so nah wie möglich an 100 Prozent liegen.

Die Leiterin des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) hoffte, dass die Vorbehalte von Menschen gegen Corona-Impfungen ausgeräumt werden können. Dazu benötige jedes Land einen maßgeschneiderten Ansatz, sagte sie.

Bei Ammons Gesprächen in Lettland ging es darum, wie ECDC dem Land helfen kann. Die EU-Behörde weist für Lettland aktuell die höchste Infektionsrate in Europa aus. Angesichts der stark steigenden Infektionszahlen hat die Regierung in Riga das Land bis zum 15. November in einen Lockdown geschickt – mit vielen Beschränkungen und einer nächtlichen Ausgangssperre. Als ein Grund für die hohen Fallzahlen gilt die geringe vollständige Impfquote von 53 Prozent der 1,9 Millionen Einwohner. (APA/dpa)

WKO und ÖGB kritisieren Pläne zu 2,5G am Arbeitsplatz

In einer gemeinsamen Stellungnahme üben Gewerkschaftsbund und Wirtschaftskammer harsche Kritik an den Plänen der Bundesregierung zu 2,5G am Arbeitsplatz. „Die Pläne der Bundesregierung sind für WKO und ÖGB praxisfern und in dieser Form nicht durchzusetzen“, schreiben WKO-Chef Harald Mahrer und ÖGB-Chef Wolfgang Katzian. Ohne flächendeckende PCR-Test-Infrastruktur gingen die Überlegungen ins Leere. 2,5G heißt, Beschäftigte müssen geimpft, genesen oder PCR-getestet sein.

„Es macht keinen Sinn, über Maßnahmen nachzudenken, für die es kein Angebot gibt“, fordern die beiden Sozialpartner ein ausreichendes Testangebot in ganz Österreich. Eine wirksame Pandemiebekämpfung sei notwendig, aber „diese kann nicht auf dem Rücken der Betriebe und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter passieren. Was wir jetzt brauchen, sind realistische Lösungen statt nicht zu Ende gedachter Ideen, die weder Sicherheit noch Planbarkeit vermitteln, sondern im Gegenteil zu massiver Verunsicherung führen.“

ÖGB und WKO verweisen auf Daten, wonach „der überwiegende Teil des Infektionsgeschehens“ nicht in den Betrieben stattfinde. Man solle die Impfquote mit Anreizen steigern. Dafür seien die Sozialpartner jederzeit gesprächsbereit. „2,5G am Arbeitsplatz ohne ausreichende Rahmenbedingungen sehen wir nicht als Lösung“, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme. (APA)

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