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Covid-19 Update 22.09.2021

Spezifische Immunantwort in Frühphase identifiziert; Diabetes als Risikofaktor bestätigt

Coronavirus Warnung

+++ Studie: 4 Botenstoffe in Frühphase der SARS-CoV-2-Infektion erhöht – Tiroler Experte bestätigt: Diabetes wesentlicher Risikofaktor – UK: Impfung für Zwölf- bis 15-Jährige angelaufen – EU-Kommission unterschreibt Vertrag für Covid-19-Medikament – US-Experten gegen generelle Corona-Auffrischungsimpfungen Weltweit bisher 6 Mrd. Covid-Impfdosen verabreicht +++

Studie: 4 Botenstoffe in Frühphase der SARS-CoV-2-Infektion erhöht

Eine Infektion mit SARS-CoV-2 kann ausgehend von einer Überreaktion des Immunsystems zu einem schweren klinischen Krankheitsverlauf bis hin zu einem Multiorganversagen führen, hieß es dazu in einer Aussendung der MedUni Wien/AKH am Dienstag, 21.9. „Dies konnte zwar bereits in Studien gezeigt werden, das Problem daran war jedoch, dass die bisherigen Daten erst im späteren Verlauf von schwer erkrankten Patienten auf Intensivstationen gewonnen werden konnten. Daten aus der Frühphase der Covid-19-Infektion sowie geeignete Kontrollgruppen fehlten häufig. Daher war bis jetzt weitgehend unklar, ob das Immunsystem in der Frühphase nach der Infektion auf SARS-CoV-2 unterschiedlich reagiert als auf die bereits uns bekannten saisonalen Erreger viraler Atemwegserkrankungen“, erklärte Klaus Schmetterer vom Klinischen Institut für Labormedizin, der gemeinsam Robert Strassl (ebenfalls Klinisches Institut für Labormedizin) und Johannes Kovarik (Univ.-Klinik für Innere Medizin III) die Teamleitung der Untersuchung innehatte.

Um die Immunreaktion auf SARS-CoV-2 besser definieren zu können, griff das Team auf eine Patientenkohorte zurück, die mit typischen Symptomen einer viralen Atemwegsinfektion das Universitätsklinikum AKH Wien aufgesucht hatten. „Diese Patientinnen und Patienten sind mit den typischen Symptomen einer viralen Atemwegsinfektion gekommen, die bei einer SARS-CoV-2-Infektion, aber auch bei anderen viralen Infekten der Atemwege auftreten können. Wir haben für diese Studie bewusst Patientinnen und Patienten ausgewählt, die innerhalb der ersten zwei Tage nach Symptombeginn das AKH Wien aufgesucht haben und keine bekannten Vorerkrankungen hatten“, erklärte Strassl.

Auf Basis der PCR-Tests wurden die Patienten dann in eine Covid-19-positive und eine Covid-19-negative Gruppe, also Erkrankte mit anderen Infektionen, unterteilt. Zusätzlich inkludierten die Forscher eine dritte Vergleichsgruppe mit gesunden Probanden.

Alle Gruppen wurden im Rahmen der Studie auf insgesamt 65 Immunmarker im Blutplasma untersucht. Dadurch konnte ein detaillierter Einblick in die komplexen immunologischen Abläufe einer SARS-CoV-2-Infektion gewonnen werden: „Wir konnten dabei tatsächlich vier Botenstoffe (Anm.: BLC, sCD30, MCP-2 and IP-10) definieren, die in der frühen Phase nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 im Gegensatz zu anderen viralen Infektionen im Blut der Patientinnen und Patienten erhöht sind“, berichtete der Erstautor der Studie, Johannes Kovarik.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung, die nun im Fachblatt „Frontiers in Cellular and Infection Microbiology“ publiziert wurden (https://doi.org/10.3389/fcimb.2021.651484), könnten einerseits Anhaltspunkte für künftige therapeutische Ansätze bei einer Covid-19-Erkrankung liefern, andererseits könnten die neuen Erkenntnisse auch als wichtige Vergleichsparameter für weitere Studien dienen, zum Beispiel zu chronischen Verlaufsformen wie „Long Covid“. (APA)      

Tiroler Experte bestätigt: Diabetes wesentlicher Risikofaktor

Eine Studie der Medizinischen Universität Innsbruck belegt nun, dass Diabetes ein vorherrschender Risikofaktor für einen schweren Covid-19-Verlauf ist. Eine unter Federführung des Leiters der internistischen Intensivstation, Michael Joannidis, im Frühjahr 2020 durchgeführte Pilotstudie hatte diesen Zusammenhang schon vermuten lassen. Nun wurden in einer zweiten Welle Daten von 350 Patienten aus ganz Tirol miteinbezogen.

Rund 30 Prozent der Schwererkrankten hatten einen bekannten (Prä-)Diabetes. Bei über 85 Prozent der Intensivpatienten war der sogenannte HbA1c-Wert erhöht, der Auskunft über den Langzeit-Blutzuckerspiegel gibt, erklärte Joannidis im APA-Interview. Liegt dieser Wert über 6,5 Prozent, ist der Blutzuckerspiegel chronisch erhöht und man spricht von Diabetes.

Nur ein Drittel der untersuchten Patienten mit einem erhöhten HbA1c-Wert hätte davon gewusst, betonte der Innsbrucker Mediziner. „Es wäre deshalb ratsam, dass im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung bei allen Menschen auch der HbA1c-Wert bestimmt wird“, schlussfolgerte Joannidis und erneuerte damit eine Forderung, die er schon in der Vergangenheit angebracht hatte. Auch die Österreichische Diabetes Gesellschaft fordere dies schon länger. „Diabetiker, die gut eingestellt waren, hatten mildere Verläufe“, beobachtete der Mediziner.

„Wir konnten sowohl bestätigen, dass Diabetes mellitus ein wesentlicher Risikofaktor für Intensiv-Patienten ist, als auch dass die Sterblichkeit von Covid-19-Patienten mit hohem HbA1c an der Beatmungsmaschine erhöht war“, fasste Joannidis die Studienergebnisse der zweiten Erhebung im Frühjahr 2021 zusammen.

Schon im Vorjahr hätten die Mediziner bei überdurchschnittlich vielen Corona-Intensivpatienten erhöhte HbA1c-Werte festgestellt, erläuterte der Internist. Dabei habe es sich aber nur um eine „kleine Studienkohorte“ im Rahmen einer Pilotstudie gehandelt. Mit Ende Mai umfasste die Datenbank an die 500 Patienten in ganz Tirol, für 350 davon lagen deren HbA1c-Werte vor. „Der Wert wird noch nicht routinemäßig in allen Häusern erhoben“, erklärte Joannidis.

Internationale Studien hätten zwischenzeitlich gezeigt, dass Übergewicht zusätzlich schwere Krankheitsverläufe bei Covid-19 begünstigt. Ein Zusammenhang zwischen (Prä-)Diabetes und Übergewicht konnte in der Tiroler Studie zwar ebenfalls gefunden werden, dieser sei aber nicht signifikant. Zudem würden auch normalgewichtige Patienten schwer erkranken.

Die Erkenntnisse wirken sich direkt auf die Therapie und Prävention schwerer Covid-19-Verläufe aus. So werde momentan etwa untersucht, ob eine strengere Zuckerkontrolle auf den Intensivstationen den Krankheitsverlauf bei Covid-19 mildern könnte, so Joannidis. (APA)

UK: Impfung für Zwölf- bis 15-Jährige angelaufen

Im Vereinigten Königreich hat am Montag, 20.9., eine Corona-Impfaktion für Zwölf- bis 15-Jährige begonnen, und zwar werden die Jugendlichen mit einer Dosis des Biontech/Pfizer-Impfstoffs immunisiert. Ob hier auch eine zweite Dosis nötig ist, wird noch untersucht.

Von den vier britischen Chief Medical Officers (CMOs) wird diese Impfung empfohlen, weil sie aus Gründen der Public Health sinnvoll ist und es „wahrscheinlich ist, dass die Impfung helfen wird, die Übertragung von Covid-19 in Schulen zu reduzieren“. Es ist klinisch erwiesen, dass mit einer einzigen Dosis des Biontech/Pfizer-Impfstoffs das Risiko, sich mit der Delta-Variante des Coronavirus anzustecken, um 55 Prozent zurückgeht. In noch viel stärkerem Maße verhindert die Impfung bei Jugendlichen schwere Verläufe und Todesfälle. Auch das Risiko, an Long Covid zu erkranken, was lebenslange Folgen für die Betroffenen nach sich ziehen könnte, wird durch die Impfung vermindert.

Der Großteil der Impfungen wird in Schulen verabreicht, aber es gibt auch einige alternative Impfstellen. Eine Zustimmung der Eltern zur Impfung wird zwar angestrebt, ist aber nicht zwingend. Sie haben nicht das letzte Wort, wenn der/die Jugendliche als kompetent erachtet wird, seine/ihre eigene Entscheidung zu treffen.

Weitere Details dazu können in diesem Artikel von „The Guardian“ vom 14. September 2021 nachgelesen werden: https://www.theguardian.com/world/2021/sep/14/uk-covid-vaccinations-for-children-aged-12-15-what-you-need-to-know (The Guardian/red)

EU-Kommission unterschreibt Vertrag für Covid-19-Medikament

Die EU-Kommission hat einen Rahmenvertrag über die gemeinsame Anschaffung eines Covid-19-Medikaments des Pharmaunternehmens Eli Lilly abgeschlossen. 18 EU-Staaten beteiligten sich am gemeinsamen Kauf von 220.000 Behandlungen eines Medikaments mit sogenannten monoklonalen Antikörpern, teilte die Brüsseler Behörde mit.

Es handle sich um die Kombination der beiden monoklonalen Antikörper Bamlanivimab und Etesevimab zur Behandlung von Covid-Patienten, die keinen Sauerstoff brauchen, bei denen jedoch die Gefahr einer schweren Erkrankung bestehe. Monoklonale Antikörper werden im Labor hergestellt und sollen das Virus nach einer Infektion außer Gefecht setzen.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) prüft derzeit eine Zulassung des Antikörper-Cocktails. Die Frage, wer unter den 18 teilnehmenden Ländern ist, blieb zunächst offen. Die EU-Kommission hat bereits Verträge für andere Medikamente abgeschlossen. (APA/dpa)

US-Experten gegen generelle Corona-Auffrischungsimpfungen

Ein Expertengremium der US-Arzneimittelbehörde FDA empfiehlt Corona-Auffrischungsimpfungen mit dem Mittel von Biontech/Pfizer nur für ältere Menschen und Risikogruppen. Die einflussreiche Gruppe von Wissenschaftern kam am Freitag (17.9.) nach stundenlanger Diskussion zu dem Schluss, dass vorliegende Daten eine allgemeine Einführung einer dritten Impfdosis für Menschen älter als 16 Jahre nicht rechtfertigten.

Für Senioren über 65 und Angehörige von Risikogruppen würde eine dritte Dosis aber Sinn machen, hieß es. US-Präsident Joe Biden hatte sich angesichts abnehmender Immunität gegen Covid-19 für eine weitere Dosis für alle ausgesprochen, deren Zweitimpfung schon mehr als acht Monate her ist.

Zuletzt hatten aber auch Forscher im Fachmagazin „The Lancet“ Zweifel an Corona-Auffrischungsimpfungen für alle geäußert: „Die bisherige Studienlage zeigt keine Notwendigkeit, in Bevölkerungsgruppen mit wirksamer, vollständiger Impfung Booster auf breiter Front zu verabreichen“, hieß es dort. Die weltweit noch immer begrenzte Anzahl an Impfdosen könne die meisten Leben retten, wenn sie Menschen zugutekäme, die ein erhebliches Risiko einer schweren Erkrankung haben und noch ungeimpft sind.

Hintergrund ist, dass in manchen reichen Ländern über Auffrischungsimpfungen für alle nachgedacht wird, während anderswo noch kaum jemand geimpft ist. Die WHO hatte bereits Anfang August einen vorübergehenden Stopp von Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus gefordert, so lange noch viele ärmere Länder auf Impfdosen warten. (APA/dpa)

Weltweit bisher 6 Mrd. Covid-Impfdosen verabreicht

Weltweit sind mittlerweile sechs Milliarden Impfdosen gegen das Coronavirus gespritzt worden. Die Marke wurde laut einer auf amtlichen Daten basierenden Statistik der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, 22.9., um 11.30 Uhr erreicht. Das Impftempo hat sich demnach verstetigt: Es dauerte 29 Tage, um die sechste Milliarde zu erreichen, die vierte und fünfte brauchten 30 und 26 Tage. Fast 40 Prozent aller Impfdosen wurden in China verabreicht, an zweiter und dritter Stelle folgen Indien und die USA.

Unter den Ländern mit mehr als einer Million Einwohnern führen die Vereinigten Arabischen Emirate mit 198 Dosen je 100 Einwohner die Statistik an, mehr als 81 Prozent der Bürger sind dort bereits vollständig immunisiert. Während inzwischen dank der internationalen Covax-Initiative auch die meisten armen Länder Impfkampagnen gestartet haben, ist die Impfstoffverteilung weiterhin höchst ungleichmäßig. Die Länder mit hohem Einkommen haben durchschnittlich 124 Dosen je 100 Einwohner verabreicht, in armen Ländern wurden bisher durchschnittlich nur vier Dosen je 100 Einwohner gespritzt. Drei Länder impfen noch gar nicht gegen das Coronavirus: Burundi, Eritrea und Nordkorea. (APA/ag)

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