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Kein Nährboden für Pickel

Ernährungsberatung ist essenzieller Teil der Akne-Therapie

Konzeptionelle Probleme auf der Haut der Frau.

Nahrungsmittel mit hohem glykämischem Index und Molkereiprodukte verschlechtern das Hautbild von Akne-Patienten. Viele steigen daher auf pflanzlichen Milchersatz um. Nuss- und Hafermilch sind eine gute Alternative für diese Patienten – Sojamilch jedoch nicht.

Der Acne vulgaris liegen u.a. eine gesteigerte Talgdrüsenaktivität mit Seborrhö, die Freisetzung von Entzündungsmediatoren und eine übermäßige Kolonisierung der Haut mit Cutibacterium acnes zugrunde, schreibt Dr. Anne Gürtler, Hautklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München. Neben Faktoren wie Stress, Schlafdefizit und Luftverschmutzung wirken sich auch die Ernährungsgewohnheiten auf die Entstehung und den Verlauf der Akne aus.

Gerade der „westliche” Ernährungsstil mit viel Zucker, Weißmehl, Milchprodukten und mehrfach gesättigten Fetten setzt der Haut von Akne-Patienten zu. Eine wichtige Rolle scheint dabei die Ausschüttung von Insulin und die Induktion von IGF-1 zu spielen (s. Kasten). Im Gesamtkonzept der Akne-Behandlung darf demnach ein Gespräch über die Ernährung nicht fehlen. Allerdings sollte man dabei offene Fragen à la „Wie ernähren Sie sich?” vermeiden und sich besser konkret nach dem Konsum der jeweiligen Trigger erkundigen, erläuterte die Expertin.

Zwischen den Mahlzeiten mehrstündige Pausen einlegen

Inzwischen gibt es solides Wissen über die pathophysiologischen Zusammenhänge zwischen Ernährung und Akne. Kritisch sind hochglykämische Lebensmittel, die den Insulinspiegel rasch und stark ansteigen lassen. Erhöhte Spiegel an Insulin und Insulin-like growth factor 1 (IGF-1) beeinflussen in den Zellen u.a. die Proteinkinase mTORC1. Dies hat eine vermehrte Talgproduktion zur Folge, was die Akne verschlimmert. Daher sollten Akne-Patienten auf mehrstündige Pausen zwischen den Mahlzeiten achten, um die Insulin- und IGF-Spiegel wieder zu senken. Milch und Milchprodukte aktivieren mTORC1 auch auf direktem und indirektem Weg und stimulieren dadurch eine aknefördernde Seborrhö. So wirken z.B. die in der Molke enthaltenen Aminosäuren Leucin, Isoleucin und Valin stark insulinotrop.

Weniger Medikamente durch mehr Vollkorn

So kurbeln z.B. Lebensmittel mit einem hohen glykämischen Index wie Limonade, Süßigkeiten, Weißmehlprodukte und Fast Food die Talgproduktion an, was vermehrt Komedonen und die Proliferation von C. acnes nach sich zieht. Die Bakterien spalten den Talg zu proinflammatorischen freien Fettsäuren, die Papeln und Pusteln fördern. Eine entsprechende Umstellung der Ernährung auf Vollkornprodukte und die Reduktion von Süßem (s. Tabelle) kann das Hautbild deutlich bessern und helfen, Akne-Medikamente einzusparen.

Kuhmilch- und insbesondere Molkeprodukte enthalten insulinotrope Aminosäuren, die eine mTORC1-Aktivierung provozieren und die Seborrhö verschlimmern. Gerade bei jungen Männern in der Fitnessszene sind molkebasierte Proteinshakes beliebt – doch sie bauen nicht nur Muskelzellen auf, sondern aktivieren auch Sebozyten. Deutlich besser für die Haut sind dagegen pflanzliche Proteine aus Erbse, Reis oder Hanf sowie Nuss- und Hafermilch. Von Sojamilch rät die Kollegin ab, weil sie insulinotrop wirkt.

Günstig für Akne-Patienten sind Omega-3-Fettsäuren, die einerseits die Freisetzung von IGF-1 drosseln und andererseits die Ausschüttung von antientzündlichen Leukotrienen sowie Prostaglandinen fördern. Wichtige Quellen für langkettige Omega-3-Fettsäuren sind Fisch, Meeresfrüchte, Algen, Chia-, Lein- und Hanfsamen. Groß angelegte placebokontrollierte Studien diesbezüglich, die einen therapeutischen Nutzen der Supplementierung klinisch belegen, fehlen allerdings bislang.

Es gibt Hinweise darauf, dass bei vielen Akne-Patienten eine Dysbiose des Darm- und Hautmikrobioms vorliegt. Da die Antibiotika, die in der Akne-Therapie eingesetzt werden, zusätzlich die Darmflora stören, diskutiert man, ob sich Probiotika und Präbiotika möglicherweise präventiv und therapeutisch einsetzen lassen. Aber es sind weitere Studien erforderlich, um klare Empfehlungen für eine entsprechende Behandlung geben zu können.

Lebensmittel, die reduziert bzw. bevorzugt werden sollten
Bitte weniger
Gerne mehr
Kohlenhydrate
Haushaltszucker
Fast Food
Fertigbackwaren
Frittiertes
Weißbrot, Cornflakes
Süßigkeiten
Chips
Vollkornprodukte
Quinoa
Obst und Gemüse
Sojaprodukte
Vielfalt an Obst und Gemüse
Hülsenfrüchte
Milch(ersatz)produkte
Milch
Joghurt, Quark, Frischkäse, Rahm, Sauerrahm etc.
Milcheis, Milchschokolade
Molkenprotein z.B. in „Fitness“-Produkten
Sojamilch
Nuss- oder Hafermilch
gereifter Hartkäse
Reis-, Hanf-, Erbsenprotein
Bitterschokolade (mind. 70 % Kakaoanteil)
Weitere tierische Produkte
Eier
Fleisch, Speck, Wurst
Seefisch (Lachs, Hering, Makrele, Thunfisch)
Öle und Fette
Schmalz, Kokosfett, Palmöl
Sonnenblumenöl, Sojaöl
Avocado, Nüsse
Lein-, Walnuss-, Rapsöl
Chia-, Hanf-, geschrotete Leinsamen
Getränke
Softdrinks
Alkohol
Wasser, schwarzer Kaffee
Tees, insbesondere Grüntee (ungezuckert!)

Frisch, pflanzlich und saisonal kochen

Ziel sollte es sein, eine langfristige Umstellung auf frische, pflanzliche, saisonale und möglichst wenig verarbeitete Lebensmittel zu erreichen. Es geht nicht darum, bestimmte Nahrungsmittel als „Superfoods gegen Akne“ zu empfehlen, sondern um eine abwechslungsreiche, pflanzenfokussierte Kost, betont die Autorin. Lebensmittel mit einem niedrigen glykämischen Index und reichlich Omega-3-Fettsäuren tun der Akne-Haut gut. Auf die Akne-Trigger müsse der Patient aber nicht vollständig verzichten. Diätische Empfehlungen werden von den Patienten nicht nur gerne angenommen, sondern geben ihnen auch das Gefühl, selbst etwas zu ihrer Gesundheit beitragen zu können, schließt Dr. Gürtler.

Gürtler A. Kompendium Dermatologie 2021; 35–41

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