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Männerbusen anfassen

Palpation gibt Aufschluss über Fett und Drüsengewebe in Männerbrüsten

dicker weißer Mann mittleren Alters mit Gynäkomastie, vergrößerter Brust

Steckt ein hormonelles Ungleichgewicht hinter der Gynäkomastie, sollen auslösende Substanzen – zu denen auch Bier gehört – gemieden werden.

Spannungsgefühl und Schmerzen in den Brüsten gibt es auch bei Männern. Sie deuten auf eine echte Gynäkomastie. Dahinter kann eine ernste Grunderkrankung stecken, zum Beispiel chronische Leber- und Niereninsuffizienz oder ein Mammakarzinom.

Es muss nicht zwangsläufig das Brustdrüsengewebe dahinterstecken, wenn die Männerbrust weibliche Formen annimmt. Der Volumenzunahme kann auch schlicht und einfach Fett zugrunde liegen, das sich im Rahmen einer Adipositas im Brustbereich ablagert, erklärte Priv.-Doz. Dr. Burkhard Manfras, niedergelassener Endokrinologe in Ulm. Das lässt sich im Liegen meist gut ertasten, ansonsten gibt der Ultraschall Auskunft.

Pubertätsgynäkomastie betrifft 40 % der adoleszenten Jungen

Auch Zysten, Entzündungsreaktionen, Hämatome nach Traumata oder lymphatische Abflussstörungen können Ursachen einer solchen Pseudogynäkomastie sein. Eine weitere, wichtige Differenzialdiagnose ist das Mammakarzinom.

Ist tatsächlich Drüsengewebe im Übermaß nachweisbar, sollte eine sogenannte physiologische Gynäkomastie ausgeschlossen werden, erläuterte der Endokrinologe. Dazu gehören die Pubertätsgynäkomastie, die bei etwa 40 % der männlichen Jugendlichen auftritt, sowie die Altersgynäkomastie mit einer Prävalenz von 25–65 %.

Ansonsten kann es sich um eine persistierende Pubertätsgynäkomastie (25 %) oder die idiopathische Form der Erkrankung (25 %) handeln. Auch bestimmte Medikamente oder Drogen (10–25 %, s. Kasten) können die Männerbrüste üppiger werden lassen. Weitere mögliche Ursachen sind Leberzirrhose, Mangelernährung, primärer oder sekundärer Hypogonadismus, Hyperthyreose, Hodentumoren, chronische Niereninsuffizienz oder – sehr selten – Intersexualität oder das Aromatase-Exzess-Syndrom.

Pathogenetisch spielt eine Imbalance zwischen Androgenen und Östrogenen die entscheidende Rolle. Eine verminderte Androgenwirkung findet man z.B. beim primären oder sekundären Hypogonadismus sowie infolge der Therapie beim Prostatakarzinom. Eine übermäßige Östrogenwirkung kann durch die gesteigerte Sensitivität des Brustdrüsengewebes gegenüber den Hormonen bedingt sein – eine der Ursachen der Pubertätsgynäkomastie – oder durch eine verstärkte Aromatisierung der Androgene zu Östrogen im Drüsengewebe. Dieser Vorgang ist auch bei Lebererkrankungen und Adipositas von zentraler Bedeutung.

Risikofaktoren für eine Gynäkomastie

Hormone
  • Östrogentherapie bei Prostatakarzinom
  • akzidentielle Hormonzufuhr (z.B. dermales oder vaginales Östrogen der Partnerin)
  • Phytoöstrogene (z.B. in Bier)
  • Hormonabusus (anabole Steroide, Androgene, HCG, Östrogene, Somatotropin)
  • Lavendelöl
Antiandrogene
  • Cyproteronacetat
  • Flutamid
  • Finasterid, Dutasterid
  • Spironolacton
  • Ketoconazol
Drogen
  • Alkohol
  • Amphetamine
  • Heroin, Methadon
  • Marihuana
HIV-Medikamente
  • vor allem Efavirenz
Antimikrobiotika
  • Metronidazol
  • Isoniazid
  • Ethionamid
  • Ketoconazol
Antihypertensiva
  • ACE-Hemmer (Captopril, Enalapril)
  • Amiodaron
  • Calciumantagonisten (Diltiazem, Nifedipin)
  • Methyldopa
  • Reserpin
Chemotherapeutika
  • Alkylanzien
  • Methotrexat
  • Vincaalkaloide
  • Imatinib
Psychopharmaka
  • Cimetidin
  • Ranitidin
  • PPI

Bei der Hormondiagnostik die Schilddrüse nicht vergessen

Eine vermehrte Produktion von humanem Choriongonadotropin (HCG), wie sie sich etwa bei Hodentumoren oder anderen paraneoplastischen Tumoren finden lässt, kann die Brustdrüsen ebenfalls wachsen lassen.

Haben Palpation und Sonographie ein Zuviel an Drüsengewebe bestätigt, sollte die hormonelle Diagnostik erfolgen, die auch die Schilddrüsenparameter umfasst. Bei unauffälligem Ergebnis und Beginn in der Pubertät handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um eine persistierende Pubertätsgynäkomastie bzw. die idiopathische Form.

Befinden sich die Patienten nach der Ultraschalluntersuchung noch in der proliferativen Phase, lassen sich durch eine Therapie mit Tamoxifen (10–20 mg/d, off label) über drei bis sechs Monate häufig ein Abschwellen des Drüsenkörpers und Schmerzfreiheit erreichen. Im fibrosierten Stadium ist das nicht mehr möglich. Dann hilft bei entsprechendem Leidensdruck nur ein chirurgischer Eingriff.

Wegtrainieren lässt sich der Männerbusen übrigens nicht – diesbezügliche Bestrebungen wirken sogar kontraproduktiv. Wird der Pectoralismuskel gestärkt, drückt er die Brust noch weiter nach vorne. Stattdessen besteht die Therapie der Gynäkomastie je nach Ursache im Ausgleich des hormonellen Ungleichgewichts, im Absetzen der verdächtigen Medikamente sowie im Meiden auslösender Substanzen, zu denen auch Bier gehört.

64. Deutscher Kongress für Endokrinologie (Online-Veranstaltung)

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