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COVID-19

BMI und COVID-19-Schweregrad

Adipositas stellt einen wichtigen Risikofaktor für schlechteres Outcome nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 dar. Das Ziel der in Lancet Diabetes & Endocrinology publizierten und 6,9 Millionen Menschen in England umfassenden Studie war es, diese Assoziation weiter zu untersuchen. Nicht nur adipöse (BMI≥ 30 kg/m2), sondern auch über-, normal- und untergewichtige Menschen wurden in die Studie miteinbezogen und hinsichtlich des Verlaufs einer COVID-19-Erkrankung untersucht.

Methode

Diese prospektive, bevölkerungsbasierte Kohortenstudie erhob zwischen 24. Jänner und 30. April 2020 anonymisierte Daten aus über 1.500 Allgemeinmediziner-Praxen in England zu ≥20 Jahre alten Patienten. Die Daten wurden mit positiven SARS-CoV-2-Testergebnissen und Sterbeurkunden verlinkt. Outcome waren Hospitalisierung, Aufnahme an einer Intensivstation (ICU) und Tod im Zusammenhang mit COVID-19. Die statistische Auswertung erfolgte mittels Cox-Regression (Cox proportional hazards model).

Ergebnisse

Von 6.910.695 Individuen (mittlerer BMI 26,78kg/m2) wurden 13.503 (0,20%) hospitalisiert, 1.601 (0,02%) auf einer ICU aufgenommen und 5.479 (0,08%) verstarben. Es wurden J-kurvenförmige Assoziationen zwischen BMI und Hospitalisierung (HR 1,05 pro kg/m2 ausgehend von einem Nadir bei BMI 23kg/m2), sowie zwischen BMI und Tod (HR 1,04) festgestellt und eine lineare Assoziation über die gesamte BMI-Bandbreite mit ICU-Aufnahme (HR 1,10). Auch bei einem BMI unter 23kg/m2 zeigte sich eine erhöhte HR für Hospitalisierung und Tod durch COVID-19.

Eine signifikante Interaktion fand sich zwischen BMI und Alter sowie, weniger ausgeprägt, zwischen BMI und der angegebenen ethnischen Zugehörigkeit. So zeigte sich insbesondere bei jüngeren Individuen eine höhere HR pro kg/m2 für alle drei Outcomes ab einem BMI von 23kg/m2 (HR 1,09 für die Gruppe 20–39 Jahre vs. 1,01 für die Gruppe 80–100 Jahre).

Das Risiko für Hospitalisierung und ICU-Aufnahme assoziiert mit dem Anstieg im BMI erwies sich für Patienten mit Typ-2-Diabetes, Hypertonie und kardiovaskulären Erkrankungen als etwas geringer als für Patienten ohne diese Erkrankungen, ein Ergebnis das die Autoren jedoch hinterfragen.

Fazit

Ab einen BMI >23kg/m2 fand sich ein linearer Anstieg für das Risiko einer schweren, zu Hospitalisierung oder Tod führenden COVID-19-Erkrankung. Ein linearer Anstieg für die Aufnahme an einer ICU bestand über die gesamte Bandbreite des BMI, welcher nicht einem erhöhten Risiko durch mit einem hohen BMI assoziierte Erkrankungen zugeordnet werden konnte. Ein relatives Risiko durch einen erhöhten BMI fand sich v.a. für Menschen unter 40 Jahren. Das höhere Risiko für Hospitalisierung und Tod durch COVID-19 bei niedrigeren BMI-Werten führen die Autoren auf die damit verbundene erhöhte Gebrechlichkeit zurück.

Gao M et al. „Associations between body-mass index and COVID-19 severity in 6.9 million people in England: a prospective, community-based, cohort study“. Lancet Diabetes Endocrinol 2021; doi.org/10.1016/ S2213-8587(21)00109-1

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