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Impf-Föderalismus Made in Austria

Kampagne für Corona-Schutzimpfung

Krankenschwester im häuslichen Gesundheitswesen, die einer älteren Frau eine Injektion gibt.

Die Schutzimpfung gegen SARS-CoV-2 ist in Österreich bekanntlich holprig angelaufen. Aber auch zwischen den Bundesländern gibt es trotz Empfehlungen des Nationalen Impfgremiums (NIG) eklatante Unterschiede, wer wann drankommt. Unterdessen startete das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) die von der Bundesregierung unterstützte Kampagne „Österreich impft“ – mit fünf hochrangigen Medizinern. Doch während in manchen Bundesländern selbst Rettungsdienste, niedergelassene Ärzte und Hochrisikopatienten noch gar wissen, wann sie an der Reihe sind, sind in Vorarlberg schon einzelne Apotheken-Teams gegen COVID-19 geimpft.

Als er sich am Heiligen Abend mit Krücken das Friedenslicht vom Sanitätsdienst holte, hatte Herr Franz H., 76, chronischer Dialyse-Patient, Hoffnung auf eine baldige Impfung. Der erste mRNA-Impfstoff, von BioNTech/Pfizer, war vor wenigen Tagen von der EMA zugelassen worden, das hatte er im Radio gehört, die ersten Lieferungen sollten bald zeitgleich und aliquot in alle EU-Länder folgen. Dreimal in der Woche muss er für einen halben Tag zur Nierenwäsche, seit Beginn der COVID-19-Pandemie in der Angst, sich womöglich mit SARS-CoV-2 auch noch anzustecken.

Am 13.01.2021 wartet der Oberösterreicher noch immer. „Ich wäre sofort bereit, mich impfen zu lassen, weiß aber nicht, wann ich drankomme.“ Auch sein Hausarzt weiß es nicht. So wie Herrn H. geht es vielen, obwohl er laut den NIG-Empfehlungen mit sieben Prioritätsgruppen (PGR 1–7) bei Impfstoffknappheit in die PGR 2 fällt. Der Haken: Die Länder brauchen sich nicht strikt daran halten, weil das Sozialministerium nur drei Phasen1 vorgibt und auch die Länder je nach Impfplan drei oder vier Phasen daraus machen können: So ist es z.B. möglich, PGR 1–4 in zwei Phasen zu quetschen, sodass Menschen aus PGR 3 oder 4 vor PGR 2 geimpft werden.

Vorarlberg: Einige Apotheker schon geimpft, RK-Mitarbeiter nicht

Dass dies nicht nur theoretische Überlegungen sind, zeigt das Beispiel Vorarlberg. Hier freute sich Apothekerverbands-Präsident Mag. Jürgen Rehak, seines Zeichens auch Präsident der Vorarlberger Apothekerkammer, und sein Apotheken-Team über eine Impfung am 09.01.2021 – ganz regulär und ohne dass er sich vorgedrängelt hätte (siehe Bericht auf pharmaceutical-tribune.at).

Die Apotheker – laut NIG in PGR 3 – sind jedoch nicht die einzigen, die hier unterschiedlich von ihren Landesregierungen behandelt werden. Auch niedergelassene Ärzte und Rettungsdienste sowie mobiles Krankenpflegepersonal und eben Hochrisikogruppen können ein Lied vom Föderalismus singen. Für Empörung sorgte etwa, dass Vorarlbergs Rot-Kreuz-Direktor Roland Gozzi kurzfristig RK-Mitarbeiter und deren Angehörigen zur Impfung eingeladen haben soll, nachdem am Freitag, den 08.01.2021, viele Impfslots freigeblieben wären.

VP-Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher, MBA, MSc, bestätigte gegenüber der APA einen entsprechenden Bericht der Wirtschaftspresseagentur.com. Dr. Alexandra Rümmele-Waibel, Impfreferentin der Ärztekammer Vorarlberg, sprach von einer „unglaublichen Aktion des Herrn Gozzi“. Die RK-Mitarbeiter und deren Angehörige seien wieder aus dem Anmeldesystem gelöscht und der übrig gebliebene Impfstoff von Freitagabend in Alters- und Pflegeheime verimpft worden. Freilich: Rettungsdienste sind laut NIG ohnehin in PGR 1. Über die angemeldeten und geimpften Apotheker – PGR 3 – wurde jedoch nichts berichtet.

Wien: Hochrisikogruppen müssen warten

Im Wiener Impfplan2 (vier Phasen) steht etwa auch „Gesamtes Personal innerklinisch“ in der „Phase 1 – Primäre Zielgruppe (Hochrisikogruppe)“, während z.B. Organtransplantierte, Dialyse-Patienten (PGR 2) oder Menschen mit Immundefizienz (PGR 3) alle in „Phase 2 – Erweiterte Risikogruppe“ aufgezählt werden und damit teilweise hinter das Gesundheitspersonal der NIG-Kategorie IV (PGR 4) fallen.

Auch hier hat der Impfplan ganz konkrete Auswirkungen. Verzweifelt auf eine Impfung wartet etwa Ingomar G. Der 36-Jährige ist doppelt betroffen: Neben einem extrem seltenen schweren angeborenen Immundefekt hat er auch eine Autoimmunerkrankung, wodurch er bei „normalen“ Infekten von Plasmaprodukten – ebenfalls derzeit knapp – abhängig sei. Sein Sterberisiko bei COVID19-Infektion betrage 25 Prozent, was jenen von Organtransplantierten entspreche.

Schon bei der Einteilung der Risikogruppen im Frühjahr habe man auf die schweren angeborenen Immundefekte vergessen, das habe das Ministerium auch schriftlich bestätigt (Schreiben liegt medonline vor): Es seien so wenige, dass man nicht darauf Rücksicht nehmen könne. Und: Univ.-Prof. Dr. Hermann Wolf, Immunologische Tagesklinik Wien, bemühe sich seit Monaten um Impfstoff für seine Immundefektpatienten – bisher erfolglos. Der Impfstoff sei zu empfindlich, heiße es. Doch dies könne für eine Institution wie die Immunologische Tagesklinik, die den höchsten Standard of Care aufweise, und sogar über Lagermöglichkeiten bei minus 80 Grad verfüge, kein Argument sein.

„Wenn Schulen und Kindergärten geöffnet werden, bevor Eltern aus den Risikogruppen geimpft werden, dann diskriminiert man die Kinder von schwer behinderten Eltern klar“, sagt der Vater einer fünfjährigen Tochter. Besonders erschütternd: Vom Kindergarten sei ihm mitgeteilt worden, dass Kinder in dem Alter Tod oder Krankheit eines Elternteiles sehr gut verkraften würden, „Hauptsache“, sie seien bei den anderen Kindern, „wie soll ich das meiner Tochter erklären“?

Neues Dashboard des Ministeriums in Blautönen

Doch selbst bei Menschen in der PGR 1 wie die Rettungsdienste sind die föderalen Unterschiede riesig. In Oberösterreich – und bis vor Kurzem auch Tirol – wurden die Rettungsdienste des Roten Kreuzes zumindest in manchen Bezirken noch gar nicht gefragt, ob sie sich impfen lassen wollen, während ein Teil des Sanitätspersonals anderer Rettungsdienste wie dem Arbeitersamariterbund (ASB) in Oberösterreich schon Impftermine im Jänner hat.

In der Steiermark haben RK-Mitarbeiter mancher Dienststellen lediglich die Info, dass per Dezember für alle Sanitäter der Dienststelle Impfdosen bestellt wurden. In Niederösterreich hingegen wurden RK-Mitarbeiter schon im Vorjahr, am 22.12.2020, nach ihrer Impfbereitschaft befragt. Wie ungleich die Impffortschritte sind, zeigt ein neues Dashboard3 des Sozialministeriums zur Corona-Schutzimpfung in Blautönen: Vorarlberg, schon tiefblau, hat demnach schon 1,56 von 100 Menschen geimpft, Schlusslicht ist Oberösterreich, noch ganz hell, mit nur 0,26 von 100 Einwohnern.

„Durchführungslogistik Aufgabe der Länder und Kammern“

Zur eventuellen „Umordnung“ der Apotheker, Rettungsdienste sowie von Risikogruppen weist Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch, einer der fünf Sprecher der Anfang dieser Woche vorgestellten Initiative „Österreich impft“ (siehe unten), auf die NIG-Empfehlungen hin. Demnach haben Rettungsdienste PGR 1 und Apotheker PGR 3. Risikogruppen der angesprochenen medizinischen Indikationen sind in PGR 2. Überdies werde die Priorisierung gerade noch „präzisiert“ und demnächst online gestellt. „Zur Durchführungslogistik kann und werde ich nichts sagen, denn das ist ausschließlich Aufgabe der Länder und der Kammern, hier eine befriedigende Strategie zu entwickeln und durchzuführen“, so sein Kommentar zu den Unterschieden in den Bundesländern.

Das ÖRK verweist auf Anfrage auf die Impfstrategie des Gesundheitsministeriums, wonach „Gesundheitspersonal mit hohem Expositionsrisiko“ in der Phase 1 geimpft werden soll. Es gebe dazu noch die Empfehlungen des NIG zur Priorisierung: „Da wird nochmals festgelegt, dass MitarbeiterInnen des Rettungsdienstes zu den prioritären Zielgruppen gehören. Daher hat das Rote Kreuz seine internen Vorbereitungen abgeschlossen und kann jederzeit mit der Impfung seiner MitarbeiterInnen beginnen. Wir erwarten also zeitnah eine entsprechende Zuteilung von Impfstoffen.“

Zu den Unterschieden zwischen den Bundesländern präzisiert das ÖRK, dass der bundesweite Personalstand aus den infrage kommenden Bereichen an das Gesundheitsministerium übermittelt worden sei. „Die praktische Abwicklung passiert dann auf Landesebene zwischen den jeweiligen Impfkoordinatoren und den Landesverbänden des Roten Kreuzes und ist bereits im Gange. Und ja, da gibt es landesspezifische Unterschiede.“ Bei den Details – wann Abfragen stattfinden bzw. wann Impfungen angedacht sind, verweist das ÖRK auf die jeweiligen Landesregierungen bzw. die Impfkoordinatoren.

OÖ: Impfungen für über 80-Jährige zuhause, Ärzte später – in Wien umgekehrt

Der Krisenstab des Landes Oberösterreich gab auf Nachfrage folgendes Statement ab: „Derzeit liegt der Schwerpunkt der Impfstrategie bei den Bewohner/innen und der Mitarbeiterschaft der Alten- und Pflegeheime. Zusätzlich werden in den KW 3 und 4 auch bis zu 2.400 Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker sowie Vertreterinnen und Vertreter des Rettungswesens pro Woche geimpft. Ebenso beginnen in Kürze die Impfungen für Menschen über 80 Jahre, die noch zuhause, also nicht in einem Alten- oder Pflegeheim, wohnen. In Summe werden bis Ende Jänner rund 48.000 Menschen in Oberösterreich gegen Corona geimpft sein. Je rascher Oberösterreich weiteren Impfstoff erhält, umso schneller können mehr Menschen geimpft werden. Hier sind wir gewissermaßen vom Bund abhängig bzw. von der Verfügbarkeit zusätzlicher bzw. neuer Impfstoffe. Die Planungen für das weitere Vorgehen bzw. das Impfen weiterer Gruppen gemäß Vorgaben/Empfehlungen des Bundes laufen intensiv.“

Durch das Vorziehen der über 80-Jährigen, die zuhause leben, dürften nun wieder viele niedergelassene Ärzte durch die Finger schauen. Es könnten nur mehr insgesamt 1.800 Impfdosen für die niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte zur Verfügung gestellt werden, heißt es in einem Newsletter der Ärztekammer für Oberösterreich am 12.01.2021 an alle Kassenvertragsärzte und alle ausschließlich niedergelassenen Wahlärzte. Aus den Medien habe man erfahren, dass der Bund seine Impfstrategie geändert habe.

Die angelaufenen Impfungen in den Alters- und Pflegeheimen sollen zwar so rasch wie möglich abgeschlossen werden (einzelne Altersheime begannen jedoch erst nach dem 12.01.2021 zu impfen, Anm.): „Während ursprünglich aber geplant war, in der zweiten Stufe das gesamte Gesundheitspersonal zu impfen, wurden nunmehr vom Bund die außerhalb der Alters- und Pflegeheime lebenden über 80-Jährigen vorgezogen.“

Die Stadt Wien gab am indes am selben Tag, dem 12.01.2021, bekannt, dass über 80-Jährige, die nicht in Pensionistenwohnhäusern wohnen, spätestens ab Mitte Februar geimpft werden sollen. Bis Ende Jänner wolle man 48.500 Impfungen durchführen (bis zum 11.01.2021 waren es 7.000 Menschen), noch in dieser Woche sollen 26.000 weitere Impfungen erfolgen. Zudem startet am 15.01.2021 laut Bürgermeister Michael Ludwig eine „erste große Impfaktion“ für niedergelassene Ärzte (samt Mitarbeitern) und im Rettungsdienst: In 14 Impfstraßen in der Messe Wien sollen innerhalb von vier Tagen bis zu 11.000 Personen aus diesem Bereich geimpft werden.

Tirol: Klausur und intensive Arbeit an Impfstrategie

Die Erhebungen hinsichtlich der Impfbereitschaft der Mitarbeiter des Roten Kreuzes Tirol würden bereits „auf Hochtouren“ laufen. „Das Land Tirol befindet sich dahingehend in engem Kontakt mit der Tiroler Rettungsdienst GmbH“, teilt eine Sprecherin der Tiroler Landesregierung auf Anfrage mit. Und weiter: „Derzeit erfolgen bereits COVID-Impfungen bei MitarbeiterInnen in Wohn- und Pflegeheimen sowie in den COVID-Stationen in den Tiroler Krankenhäusern. In der nächsten Phase wird dem Gesundheitspersonal die Impfung angeboten. Hinsichtlich der weiteren Impfstrategie des Landes Tirol sowie an konkrete Impftermine wird derzeit intensiv gearbeitet, um einen bestmöglichen Ablauf zu garantieren. Zudem dürfen wir darauf verweisen, dass das Thema COVID-Impfungen in Tirol auch eines jener Themen ist, das heute und morgen bei der Klausur der Tiroler Landesregierung behandelt wird. Im Anschluss werden dazu die Neuigkeiten im Rahmen einer Pressekonferenz präsentiert.“

Drei Botschaften für Skeptiker unter Ärzten und Gesundheitspersonal

Zu der immer wieder zu hörenden mangelnden Impfbereitschaft auch von Ärzten und Gesundheitspersonal hat Kollaritsch drei Botschaften. Erstens: „Sie schützen sich selbst vor einer Erkrankung UND vor einem Ausfall und Sie wissen, wie wichtig Sie für die Behandlung der Patienten sind.“ Zweitens: „Je mehr sich impfen lassen, desto früher bekommen Sie ein Stück unserer persönlichen Freiheit zurück.“ Drittens: „Sie haben eine Vorbildwirkung.“ Es mache ihn immer „sehr betrübt“, wenn diese Vorbildwirkung nicht wahrgenommen werde.

Nachsatz: Obwohl er schon 40 Jahre im Impfwesen tätig sei und mehr als eine halbe Million Menschen geimpft habe, seien „noch nie“ so viele Informationen online zugänglich gewesen, „aber man muss sie auch lesen“. Außerdem verweist er auf die zahlreichen Fortbildungs-Webinare sowie auf den Österreichischen Impftag4 am 23.01.2021. Auch habe er ein Büchlein veröffentlicht („Corona-Impfung: Pro und Contra“, Anm.), das bei der Entscheidungsfindung helfen soll.

Keine Impfpflicht für Gesundheitspersonal

So wie Kollaritsch spricht sich auch das ÖRK als Initiator der Kampagne gegen eine Impfpflicht auch von Gesundheitsberufen aus, selbst wenn die Kampagne zur Erhöhung der Impfbereitschaft unzureichend wirken sollte. Denn: „Wir sind der festen Überzeugung, dass eine transparente, faktenbasierte und medizinisch fundierte Information der Schlüssel zur Impfbereitschaft sind. Daher richtet sich die Initiative selbstverständlich auch an Personal im Gesundheitsbereich.“ Die „Initiative Österreich impft.“ setze auf eigenverantwortliche Entscheidungen und auf Freiwilligkeit.

Impfstoff: 6. Dosis bald offiziell genehmigt

Aufklärungsbedarf dürfte es auch über die Verwendung einer eventuell 6. Dosis wegen der Fläschchen-Überfüllung des Impfstoffes von BioNTech/Pfizer (regulär 5 Impfdosen) geben. Derzeit gibt es keine Kontrolle darüber, ob und an wen Impfärzte die 6. Dosis verimpfen. Damit soll künftig Schluss sein: Der Antrag der Firma liegt laut Kollaritsch schon bei der EMA, mit der offiziellen Genehmigung ist bald zu rechnen.

Kurz vor Redaktionsschluss wurde bekannt, dass das NIG seine Empfehlungen aktualisiert hat: Demnach sind in „Phase 1“ ab sofort auch Menschen über 80, die zuhause leben (im NIG immer schon PGR 1), weiters mobile Pflegekräfte, Dialyse-Patienten, Menschen mit schwerwiegenden Krebserkrankungen oder mit Erkrankungen, die eine dauerhafte und relevante Immunsuppression erfordern, ausgeprägter Adipositas, fortgeschrittener Hypertonie, etc. (tw. aufgerückt bzw. neu in Kategorie 1, besonders hohes Risiko, PGR 2). Für Dialyse-Patient Franz H. aus Oberösterreich wird damit das Warten hoffentlich bald ein Ende haben. Bei Ingomar G. aus Wien ist dies nicht so sicher: Ob die primären Immundefekte nun wie vom Ministerium kommuniziert in den ‚Auffangtatbestand‘ fallen oder in PGR 3, wo sich nach wie vor die „Immundefizienz“ findet und man somit wieder auf diese kleine Gruppe von schwer erkankten behinderten Personen vergessen hätte, ist nicht klar.

Neue Version der NIG-Empfehlungen unter: https://www.sozialministerium.at/Corona-Schutzimpfung/Corona-Schutzimpfung—Fachinformationen.html

Wie die „Initiative Österreich impft“ wirken soll

Am 11.01.2021 stellte das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) mit fünf Sprechern die Initiative „Österreich impft“ vor. Die Kampagne wird von der Bundesregierung unterstützt und will in den Medien breit und objektiv über die SARS-CoV-2-Schutzimpfung informieren. Möglichst alle Menschen in Österreich sollen sich impfen lassen, so das ambitionierte Ziel. Jeder kann Teil/Partner der Initiative werden, etwa Unternehmen, Organisationen, Vereine. Alle Infos unter https://www.österreich-impft.at. Die fünf Sprecher:

Univ.-Prof. Dr. Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien, Facharzt für Innere Medizin, Vorsitzender der Heilmittel-Evaluierungs-Kommission im Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger, weist darauf hin, dass vor etwa einem Jahr mit der Entwicklung von Schutzimpfungen gegen COVID-19 begonnen wurde. Die Impfstoffe seien weltweit „schon millionenfach verwendet“ worden, sagte er in Richtung der Unentschlossenen – knapp die Hälfte der Österreicher.

Univ. Prof. Dr. Ursula Wiedermann-Schmidt, Wissenschaftliche Vorsitzende des Nationalen Impfgremiums, Professorin für Vakzinologie, Fachärztin für Spezifische Prophylaxe, Tropenhygiene und Immunologie, Vorstand des Zentrums für Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie, Ärztliche Leiterin der Spezialambulanz für Impfungen, Reise- und Tropenmedizin der MedUni Wien und Referenzzentrum des Gesundheitsministeriums, spricht von der „glücklichen Lage“, Impfstoffe zu haben, um damit die Pandemie „wieder in den Griff zu bekommen und dem Virus die Stirn zu bieten“. Sie weiß aber auch als Ärztin, dass kaum eine andere medizinische Disziplin so kontrovers und mit Ängsten und Sorgen behaftet sei. Daher gelte es, den vielen „Fehlmeldungen und Unwahrheiten“ entgegenzutreten.

Univ. Prof Dr. Herwig Kollaritsch, Facharzt für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin, Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie, Gerichtssachverständiger und Impfexperte, Mitglied im nationalen Impfgremium, rechnet vor, dass beispielsweise bei der Influenza 40 Personen geimpft werden müssen, um einen Krankheitsfall zu verhindern – bei COVID-19 wären es nur fünf Menschen. Und um einen Todesfall zu verhindern, brauche es 450 geimpfte Personen. Das zeige, wie „ungeheuer hoch“ der Nutzen der Corona-Impfung sei.

Dr. Reingard Glehr – Allgemeinmedizinerin mit Hausarztpraxis (Kassenordination) in Hartberg, Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (ÖGAM), wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung (IAMEV), Medizinische Universität Graz, rät zweifelnden und unentschlossenen Menschen zu einem Gespräch mit den Hausärzten. Diese seien „Schlüsselfiguren in der Aufklärung der Bevölkerung“.

Dr. Eva Höltl – Arbeitsmedizinerin, Leiterin des wissenschaftlichen Beirats der österreichischen Akademie für Arbeitsmedizin und Prävention, Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Arbeitsmedizin, Leiterin des Gesundheitszentrums der ERSTE Bank AG, erinnert daran, dass es „für uns alle“ erst dann vorbei sein werde, „wenn wir viele sind“. Die Impfung sei sicher, nun gehe es darum, umfassend und verständlich zu informieren.

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