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Update 1.12.2020

COVID-19: Welt-Aids-Tag im Zeichen der Corona-Pandemie; weibliche Hormone mildern Krankheitsverlauf

Coronavirus Warnung

Erste Anträge auf Zulassung von Impfstoffen in EU gestellt – Welt-Aids-Tag im Zeichen der Corona-Pandemie – Fast 50 Prozent mit krankhaft erhöhten Leberwerten Weibliche Hormone mildern Krankheitsverlauf – Spitalschefs warnen vor zu rascher Öffnung

Erste Anträge auf Zulassung von Impfstoffen in EU gestellt

Bei der EU sind die ersten Anträge von Pharmafirmen auf eine bedingte Zulassung von Impfstoffen gegen Corona eingegangen. Sowohl das Mainzer Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer als auch das US-Unternehmen Moderna reichten nach eigenen Angaben vom Dienstag unabhängig voneinander entsprechende Anträge bei der europäischen Arzneimittelagentur (EMA) ein.

Der Schritt war allgemein erwartet worden, nachdem die Unternehmen zuvor vielversprechende Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit aus klinischen Studien vorgelegt hatten. Biontech und Pfizer sowie Moderna testen ihre Wirkstoffe derzeit in groß angelegten Testreihen mit zehntausenden Teilnehmern und teilen seit Wochen Daten mit den Zulassungsbehörden, um den Zulassungs- und Prüfprozess zu beschleunigen. Ein abschließender Antrag in der EU fehlte bisher aber noch. In den USA beantragten Biontech und Pfizer bereits vor eineinhalb Woche eine Notfallzulassung. Moderna reichte den Antrag dort parallel zu jenem für die EU am Montag ein.

Nach Auswertungen der klinischen Studien hatten Biontech und Pfizer sowie Moderna im November berichtet, dass ihre Wirkstoffe den Ausbruch einer Corona-Erkrankung jeweils zu etwa 95 Prozent verhinderten und keine schwerwiegenden Nebenwirkungen aufträten. Die Nachrichten wurden weltweit mit Erleichterung aufgenommen.
Die EMA bestätigte den Eingang der Anträge von Biontech und Pfizer sowie Moderna. Nach Angaben der Fachbehörde in Amsterdam, die neue Impfstoffe für alle EU-Mitglieder zentral prüft, ist spätestens am 29. Dezember eine Sondersitzung ihrer zuständigen Expertengruppe zu dem Kandidaten von Biontech und Pfizer geplant. Eine Sondersitzung zu dem Moderna-Wirkstoff soll spätestens am 12. Jänner folgen. Bei einem positiven Votum würde demnach abschließend die EU-Kommission binnen wenigen Tagen über die Marktzulassung in der EU entscheiden.

Eine bedingte Zulassung ist laut EMA ein Verfahren, bei dem weniger Daten als normalerweise üblich eingereicht werden, um schneller auf eine medizinische Notlage zu reagieren. Die übrigen Daten werden dann später nachgeliefert. Politik und Unternehmen betonten aber stets, dass damit keine Absenkung von Sicherheitsstandards verbunden sein werde. (APA/ag.)

Welt-Aids-Tag im Zeichen der Corona-Pandemie

Fast 300.000 zusätzliche HIV-Infektionen und bis zu knapp 150.000 zusätzliche Aids-Tote könnten nach den Schätzungen des Programms der Vereinten Nationen für HIV/Aids (UNAIDS) bis Ende 2022 auf das Konto der Corona-Pandemie und ihrer Folgen gehen. Damit wird klar, dass auch der alljährlich am 1. Dezember begangene Welt-Aids-Tag im Zeichen der Pandemie steht. Hauptgrund für die zusätzlichen Probleme sind Unterbrechungen in der Gesundheitsversorgung.

Im vergangenen Jahr haben sich UNAIDS zufolge 1,7 Millionen Menschen mit dem HI-Virus angesteckt. Geschätzte zwölf Millionen Infizierte haben keinen Zugang zu Medikamenten gehabt. Die UN-Organisation rief Länder, in denen HIV-positive Menschen noch stigmatisiert und diskriminiert werden, auf, ihre Politik zu ändern. Doch es gibt auch eine Perspektive, nicht zuletzt aufgrund der Coronakrise: Wenn die Welt im Zusammenhang mit der Pandemie deutlich mehr in Gesundheitssysteme investiert und sich ehrgeizige Ziele setze, könnte es gelingen, dass Aids 2030 keine Bedrohung für die öffentliche Gesundheit mehr sei, heißt es in einem UNAIDS-Bericht. In Wien wird der Red Ribbon als Zeichen der Solidarität mit HIV-Infizierten und Aids-Patienten am Parlament und am Rathaus angebracht. (APA)

Fast 50 Prozent mit krankhaft erhöhten Leberwerten

Der Direktor für Innere Medizin I an der Medizinischen Universität Innsbruck, Herbert Tilg, wartet mit neuen Erkenntnissen in Sachen Corona auf. Fast 50 Prozent der COVID-19-Patienten würden krankhaft erhöhte Leberwerte aufweisen, erklärte Tilg am Dienstag in einer Aussendung. Das Ausmaß der Leberwerte korreliere mit der Entzündung im Körper. Die Entzündungen der Leber, die man in der Akutphase sehe, würden sich aber wieder legen. Letzteres gelte auch für den Verdauungstrakt, der bei Corona „entzündlich mitbeteiligt“ sei, so Tilg. Es würden zwar noch Forschungsarbeiten laufen, aber man wisse, dass sich im Schnitt die Symptomatik der Verdauungsorgane bei COVID-19-Patienten nach Tagen oder Wochen wieder lege.

„Wir haben gelernt, dass diese Erkrankung ein sehr breites klinisches Bild zeigt. Das heißt, es können verschiedene Organe beteiligt sein“, betonte Tilg. Es gebe keine andere Virusinfektion, die in einem so großen Ausmaß Entzündungen im Körper verursache. COVID-19 sei eine entzündliche Erkrankung, die „den Organismus überfährt“, verdeutlichte der Internist. Die Behandlung mit Cortison sei zu einer wirklichen Therapie geworden. „Früher galt es als absurd, eine Infektion so zu behandeln. Jetzt ist es bei schweren Verläufen ein Standardverfahren. Da haben wir in der Medizin schon viel gelernt“, so Tilg. (APA)

Weibliche Hormone mildern Krankheitsverlauf

Erste Studienergebnisse geben Aufschluss darüber, warum eine COVID-19-Erkrankung bei Frauen tendenziell milder verläuft und seltener zu einer Hospitalisation oder zum Tod führt als bei Männern. Bettina Toth, Klinikdirektorin an der Innsbrucker Universitätsklinik für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin, verwies im APA-Gespräch auf internationale Studien, die die positive Auswirkung weiblicher Hormone und des X-Chromosoms belegen.

Genderspezifische Unterschiede seien nicht nur vor der Menopause, sondern auch bei den 71- bis 83-jährigen Patienten signifikant. Dies wirke sich auch auf Hormonersatztherapien aus, die von Frauen mit menopausalen Beschwerden in Anspruch genommen werden, erklärte Toth. Unterschiedliche Studien würden darauf hindeuten, dass „weibliche Hormone im Zusammenhang mit Coronaviren etwas total Positives sind“.

Studien würden belegen, „dass es bei von SARS-CoV-2-, MERS- oder COVID-19-Viren induzierten Krankheiten deutliche genderspezifische Unterschiede in der Schwere sowie in der Hospitalisierungs- und Sterberate“ gebe. Bei COVID-19-Toten liege, so erklärte die Gynäkologin, das Verhältnis bei rund 60 zu 40 Prozent. „Es sterben deutlich mehr Männer als Frauen an oder mit Corona, über alle Altersgruppen hinweg.“

Es stelle sich also die Frage, so Toth, „warum es Frauen besser geht und wie man die Erkenntnisse auf die Behandlung coronakranker Menschen anwenden kann“. Eine Studie aus Wuhan würde erste spekulative Erkenntnisse liefern, dass sich weibliche Hormone, vor allem Östrogen, positiv auf eine Corona-Erkrankung auswirken. Vereinfacht gesagt, ließe sich das möglicherweise mit der Tatsache erklären, dass Östrogen den ACE2-Rezeptor herunterreguliere und die Spike-Proteine des Coronavirus somit schlechter an die Rezeptoren andocken können. „Es kommen somit weniger Coronaviren in die Gastzelle“, fasste Toth zusammen. Ferner wirkten Östrogene direkt immunstimulierend, weshalb Frauen möglicherweise besser in der Lage sind, die Virusinfektion unter Kontrolle zu bringen. Diese Erkenntnis habe in den USA bereits zu einer konkreten Interventionsstudie geführt. An COVID-19 erkrankte Männer und Frauen würden dort im Rahmen einer Phase-2-Studie mit Östrogenpflastern behandelt, berichtete Toth.

Abgesehen von Hormonen gebe es einen weiteren geschlechtsspezifischen Unterschied, der sich ersten Erkenntnissen nach auf den Verlauf einer Coronainfektion auswirke, führte Toth aus. So sitze eine Vielzahl von Genen, die auf die Immunantwort reagieren, auf den X-Chromosomen, von denen Frauen zwei und Männer nur eines haben. „Deshalb könnte die Immunantwort bei Frauen stärker ausgeprägt sein als bei Männern“, so Toth.

Die eine Studienpopulation von 78 Probandinnen umfassende Studie aus Wuhan würde zudem zeigen, dass der Östrogenspiegel eine wesentliche Rolle spiele. Dies führe auch dazu, dass die genderspezifischen Unterschiede in dieser Studie nur vor der Menopause signifikant seien. Nach der Menopause fällt der Östrogenspiegel. „Nicht-menopausale Frauen weisen eine geringere Hospitalisationsrate und frühere Entlassung auf als Frauen in der Menopause“, zitierte Toth aktuelle Studienergebnisse. Frauen über 55 könnten durch eine Hormontherapie in der Corona-Pandemie besser geschützt werden, wobei aber die Vor- und Nachteile im Einzelfall abzuwägen sind. (APA)

Spitalschefs warnen vor zu rascher Öffnung

Die Chefs der neun öffentlichen Spitalsträger haben in einem Brief an Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) vor zu raschen Öffnungsschritten gewarnt. Nach Ende des Lockdowns am 6. Dezember sollten Maßnahmen gesetzt werden, die „das Infektionsgeschehen reduzieren und auf niedrigem Niveau halten“, berichtete die „Kleine Zeitung“ vorab.

Der Brief, der der „Kleinen Zeitung“ vorliegt, trägt die Unterschrift der Chefs der neun öffentlichen Spitalsträger, darunter Krages (Burgenland), Kabeg (Kärnten), die oberösterreichische Gesundheitsholding, Salk (Salzburg), Kages (Steiermark), Tirol Kliniken, die Vorarlberger Krankenhausbetriebsgesellschaft, Wiener Gesundheitsverband sowie die Niederösterreichische Landeskliniken Holding. Der Brief ist im Büro von Anschober noch nicht eingelangt, dem Vernehmen nach soll er spätestens am Dienstag abgeschickt werden.

Die zweite Welle habe die „öffentlichen Krankenhäuser bis an den Rand der Leistungsfähigkeiten“ geführt, heißt es in dem Schreiben. Dank der „herausragenden Leistungsbereitschaft und dem persönlichen Engagement der Mitarbeiter“ konnte der „hohe Behandlungsaufwand“ für die Patienten geleistet werden.

Ausdrücklich heißen die Vertreter der neun Krankenanstaltenverbände den Lockdown willkommen. Auch seien bereits „erste erkennbare Wirkungen“ zu sehen, allerdings sei eine „deutliche und nachhaltige Absenkung der Infektionszahlen und damit der Hospitalisierungsquote für eine Entlastung unseres Personals dringend. Niedrige Zahlen seien für eine „schrittweise Aufnahme und Gewährleistung eines Normalbetriebs unumgänglich.“ (APA)

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