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Covid-19 Update 21.10.2020

„LAMP“-Nachweis erweist sich als erfolgreich; WHO erwartet Impfstart Mitte 2021

++ Update 21.10.2020 – Ö: Neuer Rekordwert von fast 2.000 Neuinfektionen – WHO erwartet Impfstart Mitte 2021 – Gesellschaft für Virologie warnt vor Konzept der Herdenimmunität – Schneller „LAMP“-Nachweis vor breiter Anwendung ++

  • Einen in absoluten Zahlen neuen Rekordwert bei den Neuinfektionen mit SARS-CoV-2 hat es am Mittwoch in Österreich gegeben. 1.958 Neuinfizierte wurden in den vergangenen 24 Stunden ins Epidemiologische Melderegister (EMS) eingemeldet, um 434 Betroffene mehr als am Vortag. Aktuell hält man bei 15.867 bestätigten aktiven Fällen – ein Zuwachs um 737 gegenüber Dienstag. Weiter im Steigen begriffen ist auch die Anzahl der Erkrankten, die einer Spitalsbehandlung bedürfen.
    Um 71 COVID-19-Patienten mehr als tags zuvor waren am Mittwoch stationär in Krankenhäusern aufgenommen, mit 960 Patienten näherte man sich in dieser Hinsicht der symbolträchtigen 1.000er-Marke. Weiter stabil blieb die Lage auf den Intensivstationen, wo 147 Patienten betreut wurden – eine Zunahme um zwei Personen. Mit Abstand die meisten Intensivpatienten, nämlich 60, gab es in Wien, 25 waren es in Niederösterreich, 19 in Oberösterreich und 17 in der Steiermark. 925 Menschen sind mittlerweile an den Folgen des Corona-Virus verstorben, um elf mehr als am Dienstag. (APA)
  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rechnet mit einem Start der Impfungen gegen das Coronavirus zur Jahresmitte 2021. Anfang nächsten Jahres sollten die Daten aus den abschließenden Phase-3-Studien vorliegen, sagte eine WHO-Expertin am Montag in Genf. Danach könnten die Entscheidungen zum Impfstart fallen. Die beteiligten Firmen produzierten vorsorglich bereits Millionen von Dosen. Risikogruppen könnten als Erste mit einer Impfung rechnen.
    Die bisherigen Studienergebnisse seien durchaus ermutigend, was ihre Wirksamkeit speziell bei älteren Menschen angehe, hieß es weiter. Die WHO startet nach Angaben von WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus eine neue, diesmal durchaus fröhlich-musikalische Kampagne gegen die Pandemie. Dabei werde der Ohrwurm „We Are Family“ der US-Gesangsgruppe Sister Sledge im Mittelpunkt stehen. Sie sei darüber sehr bewegt, sagte Kim Sledge. Der Song solle die Menschen in aller Welt zur Solidarität ermuntern. Als Mediziner und Ärztin seien ihr Mann und ihre Tochter an vorderster Front tätig, um die Pandemie zu bekämpfen. Die #WeAreFamily-Video-Kampagne der WHO soll Menschen dazu bewegen, zum Beispiel zusammen mit ihrer Familie das Lied zu singen, aufzunehmen und in den sozialen Medien zu teilen. (APA/dpa)
  • Der Berliner Virologe Christian Drosten und andere Kollegen stellen sich entschieden gegen Forderungen, Corona-Beschränkungen aufzuheben und gleichzeitig den Schutz besonders gefährdeter Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. „Mit Sorge nehmen wir zur Kenntnis, dass erneut die Stimmen erstarken, die als Strategie der Pandemiebekämpfung auf die natürliche Durchseuchung großer Bevölkerungsteile mit dem Ziel der Herdenimmunität setzen“, heißt es in einer Stellungnahme der Gesellschaft für Virologie (GfV) mit Sitz in Heidelberg, an der auch Drosten beteiligt war. Eine unkontrollierte Durchseuchung würde zu einer eskalierenden Zunahme an Todesopfern führen, schreiben die Virologen. Denn selbst bei strenger Isolierung älterer Menschen gebe es noch weitere Risikogruppen, die viel zu zahlreich, zu heterogen und zum Teil auch unerkannt seien, um aktiv abgeschirmt werden zu können. „Ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf ergibt sich beispielsweise bei Übergewicht, Diabetes, Krebserkrankungen, einer Niereninsuffizienz, chronischen Lungenerkrankungen, Lebererkrankungen, Schlaganfall, nach Transplantationen und während einer Schwangerschaft.“ Laut GfV weiß man noch nicht zuverlässig, wie lange eine durch eine Infektion erworbene Immunität anhält. Das Anstreben der Herdenimmunität ohne Impfung sei unethisch sowie medizinisch, gesellschaftlich und damit auch ökonomisch hochriskant.
    Die Virologen beziehen sich in ihrem Text auf die sogenannte Great-Barrington-Erklärung, die drei Forscher aus den USA und Großbritannien verfasst haben. Laut einer eigenen Webseite haben bereits viele Hunderttausend Menschen die Erklärung unterzeichnet. In dem Text heißt es unter anderem: „Der einfühlsamste Ansatz, bei dem Risiko und Nutzen des Erreichens einer Herdenimmunität gegeneinander abgewogen werden, besteht darin, denjenigen, die ein minimales Sterberisiko haben, ein normales Leben zu ermöglichen, damit sie durch natürliche Infektion eine Immunität gegen das Virus aufbauen können, während diejenigen, die am stärksten gefährdet sind, besser geschützt werden.“ (APA/dpa)
  • Den einfachen und raschen Nachweis des Erbguts des SARS-CoV-2-Virus ohne großem Geräteaufwand erlaubt die von Wiener Forschern entwickelte „RT-LAMP“-Methode. In Zusammenarbeit mit der AGES wurde das Verfahren nun auf seine Genauigkeit überprüft und hat sich als erfolgreich erwiesen.
    Wie auch beim Standardverfahren zum Nachweis des neuen Coronavirus – beim PCR-Test – geht es beim „Loop-mediated isothermal amplification“-Verfahren (RT-LAMP) um den direkten Nachweis des Erbguts des Virus. Letztere ist in der Biologie bereits seit rund 20 Jahren eine bekannte und etablierte Reaktion, die das Wiener Team um Andrea Pauli vom Institut für Molekulare Pathologie (IMP) und Julius Brennecke vom Institut für Molekulare Biotechnologe (IMBA) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) für den Einsatz in der COVID-19-Pandemie weiterentwickelt hat.
    Im Gegensatz zum PCR-Test sind hier keine Hightech-Laborgeräte notwendig. Die zuvor inaktivierte Probe kommt in Kontakt mit einem speziellen Reagenz. Eine aufwendige Vorbehandlung ist nicht notwendig. „Wir können diesem Input direkt in die Reaktion einsetzten und daher ist es auch verdammt schnell“, sagte Pauli. Die notwendige Vervielfältigung des Virus-Erbguts erfolgt durch Enzyme bei einer konstanten Temperatur um 63 Grad Celsius. Theoretisch wäre dies sogar in einem einfachen Wasserbad möglich. Von der Probe zum Resultat dauere es dann zwischen 30 und 45 Minuten. Ist Virus-Erbgut in der Probe, wechselt die Farbe, erklärte Brennecke.
    „Wir haben über 100 Routineproben parallel mit mehreren PCR-Methoden getestet und dann die gleiche Probe zeitgleich mittels LAMP überprüft. Die Ergebnisse haben absolut gepasst. Wir können bestätigen, dass der Test funktioniert“, sagte der Leiter des Geschäftsfeldes Öffentliche Gesundheit der AGES, Franz Allerberger. Das Verfahren sei deutlich einfacher und jedes Krankenhaus mit kleinem Labor sei mit der LAMP-Methode in der Lage, selbst zu testen, so Allerberger. Die AGES beginnt jetzt damit, erste Interessenten in die neue Methode einzuführen.
    Mit „Simple LAMP“ und „beadLAMP“ haben die Forscher vom IMBA und dem IMP zwei derartige Methoden am Start. Dazu kommt noch ein sehr ähnlicher Ansatz, der unabhängig davon an der Klinik Donaustadt (vormals Donauspital/SMZ Ost) entwickelt wurde und seit kurzem in Wien in den „Cluster Buster Bussen“ eingesetzt wird. „Simple LAMP“ sei für Einzeltestungen hinreichend sensitiv, möchte man aber sogenannte Pools – sprich mehrere Personen gleichzeitig, wie etwa ganze Haushalte – testen, sei die noch genauere „beadLAMP“-Methode vermutlich besser. Bei letzterer startet man mit bereits angereicherter Virus-RNA in die dann rund zehn Minuten längere Gesamtanalyse. (APA)

++ Update 19.10.2020 – Ö: Über 1.100 Neuinfektionen, großes Plus bei Spitalspatienten – Regierung verschärft Coronamaßnahmen – Langzeitfolgen bei schweren COVID-19-Erkrankungen – Biontech peilt baldigen Zulassungsantrag für Impfung an – Remdesivir laut WHO wirkungslos ++

  • In Österreich sind in den vergangenen 24 Stunden 1.121 SARS-CoV-2-Neuinfektionen gemeldet worden. Ein großes Plus gab es bei Spitalspatienten. So waren am Montag knapp 800 COVID-19-Patienten im Krankenhaus. Die Zahl der Toten stieg um elf auf 904. Insgesamt wurden in den vergangenen 24 Stunden 14.550 Testergebnisse eingemeldet, davon waren rund 7,7 Prozent positiv. Am Montag stieg somit die Zahl der aktiv Infizierten auf 14.664 Menschen. Österreichweit wurden am Montag bereits 799 COVID-19-Patienten – um 57 mehr als am Vortag – im Krankenhaus behandelt. 145 Erkrankte benötigten intensivmedizinische Versorgung – zehn mehr als noch am Sonntag. Mit Stand 9.30 Uhr wurden seit Beginn der Pandemie 65.927 Menschen positiv auf SARS-CoV-2 getestet. 50.359 gelten als genesen. Wie immer am Wochenende wurden deutlich weniger Testergebnisse ausgewertet und in das Epidemiologische Melderegister (EMS) eingespeist, so waren es beispielsweise in Kärnten und dem Burgenland weniger als 300. (APA)
  • Die Regierung hat auf die steigenden Coronazahlen mit Verschärfungen reagiert: Professionelle Veranstaltungen werden ab Freitag weiter beschränkt. Demnach werden outdoor nur mehr 1.500 Besucher zugelassen, indoor 1.000, das Tragen einer Mund-Nasenschutzmaske ist verpflichtend, Speisen und Getränke gibt es nicht. Nicht reglementiert sind Veranstaltungen ohne zugewiesene Sitzplätze indoor bis maximal sechs Personen, outdoor bis zwölf Erwachsene. Bei höheren Personenzahlen muss die Veranstaltung angezeigt werden. „Das gilt überall. Das betrifft das Restaurant genauso wie den Yoga-Kurs“, sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Betroffen sind davon etwa Fußballspiele oder Kultur-Events. Ausgenommen sind nur Veranstaltungen in beruflicher Ausübung und Begräbnisse. Kurz nannte die Situation europaweit extrem herausfordernd. Zur Lage in Österreich sagte der Kanzler: „Wenn der Trend so weitergeht, haben wir 6.000 Neuinfektionen pro Tag im Dezember.“ Die nächsten Monate würden ein „rot-weiß-roter Kraftakt“: „Je besser wir zusammenhalten, je besser jeder einzelne mitmacht, desto besser werden wir durch die Situation kommen“, betonte Kurz.
    Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) versicherte am Montag, dass die österreichweite Zusammenarbeit in Sachen Coronavirus-Maßnahmen sehr wichtig sei und die Bundeshauptstadt „voll und ganz kooperieren“ werde. Man werde den Maßnahmen der Bundesregierung folgen und diese mittragen. Er deutete jedoch auch an, dass man in der Bund-Länder-Videokonferenz dargelegt habe, dass man bei Veranstaltungen einen „anderen Zugang“ habe. Dies würde etwa behördlich zu genehmigenden Veranstaltungen betreffen, hieß es. Denn schließlich mache es einen Unterschied, ob sich die genehmigte Personenanzahl in einer Turnhalle, einem mittleren Veranstaltungsraum oder einer großen Eventhalle aufhalte, gab Ludwig zu bedenken: „Diese Vorstellungen sind auch in der heutigen Konferenz dargelegt worden.“ Allerdings betonte er, dass ein einheitliches Vorgehen überall dort, wo es sinnvoll sei, das Gebot der Stunde sein müsse. Auch die Kommunikation müsse transparent verlaufen. Dies sei essenziell für die Herausforderungen der Corona-Pandemie. Zudem hielt er fest: „Eine Vorverlegung der Sperrstunde ist derzeit in Wien so wie in den meisten Bundesländern kein Thema. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass die Registrierungspflicht in der Gastronomie bei Contact Tracing sehr hilfreich ist und mittlerweile auch in anderen Bundesländern eingeführt wurde.“ Die Maßnahmen der Stadt Wien hinsichtlich der Pensionisten- und Pflegewohnhäuser bleiben jedenfalls weiter aufrecht, versicherte der Stadtchef. Sie seien österreichweit schon jetzt die strengsten, betonte er. (APA)
  • Die britische Universität Oxford hat Langzeitfolgen bei einer schwereren COVID-19-Erkrankung festgestellt. Erste Ergebnisse hätten ergeben, dass eine große Zahl von Patienten zwei bis drei Monate nach der Ansteckung mit dem Virus immer noch Symptome wie Atemnot, Müdigkeit, Angstzustände und Depressionen aufwiesen. Die Wissenschafter hätten auch Auffälligkeiten in mehreren Organen festgestellt und vermuteten, dass eine anhaltende Entzündung eine Rolle spielen könnte. (APA/Reuters)
  • Das deutsche Biotechunternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer peilen bei positiven Studienergebnissen mit ihrem Corona-Impfstoff einen Zulassungsantrag Ende November an. Ende Oktober könnten die beiden Partner wissen, ob der Impfstoff wirksam sei, erklärte Pfizer-Chef Albert Bourla am Freitag. In der dritten Novemberwoche könnten die Unternehmen genügend Daten zur Sicherheit des Impfstoffes vorliegen haben. Unter der Annahme positiver Daten könnte bald nach Erreichen dieses Sicherheitsmeilensteins eine Notfallgenehmigung in den USA beantragt werden. Biontech bestätigte den Zeitplan, äußerte sich aber nicht weiter dazu. Die Aktien von Biontech und Pfizer legten nach der Nachricht im vorbörslichen Handel an der Wall Street deutlich zu.
    Bisher ist international noch kein Corona-Impfstoff auf dem Markt. Russland hatte im August als weltweit erstes Land einen Impfstoff zugelassen, der aber weniger als zwei Monate an Menschen getestet wurde. Weltweit wird fieberhaft an Impfstoffen gegen das Coronavirus geforscht und US-Präsident Donald Trump hatte wiederholt angekündigt, dass ein solcher noch vor den Präsidentschaftswahlen am 3. November zur Verfügung stehen könnte. Danach sieht es aber nicht aus. Biontech und Pfizer gehören neben dem US-Biotechkonzern Moderna und der britischen AstraZeneca zum Kreis der führenden Unternehmen im Rennen um einen Impfstoff. Die Studie von AstraZeneca liegt in den USA aber nach der Erkrankung eines Probanden immer noch auf Eis, obwohl sie in anderen Ländern wieder aufgenommen wurde, und Moderna erwartet Studienergebnisse im November. In Europa hatte die europäische Arzneimittelagentur in der vergangenen Woche den Einreichungsprozess für den Biontech-Impfstoff eingeläutet, um eine spätere Zulassung zu beschleunigen. Biontech hatte in Aussicht gestellt, dass von dem Impfstoff bei einer Genehmigung bis Ende 2020 weltweit bis zu 100 Millionen Einheiten und bis Ende 2021 rund 1,3 Milliarden Einheiten hergestellt werden könnten. Der im vergangenen Monat angekündigte Kauf einer Produktionsstätte im hessischen Marburg vom Schweizer Pharmakonzern Novartis soll die Produktionskapazitäten darüber hinaus deutlich ausweiten. (APA/ag.)
  • Das Medikament Remdesivir des US-Biotechkonzerns Gilead hat nach einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO keinen substanziellen Einfluss auf die Genesung von COVID-19-Patienten. In der breit angelegten Studie sei die Wirkung von vier unterschiedlichen Medikamenten – neben Remdesivir die Malaria-Arznei Hydroxychloroquin, das HIV-Medikament Lopinavir/Ritonavir sowie der Wirkstoff Interferon – an mehr als 11.200 Patienten in über 30 Ländern getestet worden. Demnach hätten die Medikamente nur einen geringen oder keinen Einfluss auf die Sterblichkeit oder die Länge des Krankenhausaufenthalts der Patienten gezeigt, teilte die WHO mit. Remdesivir ist eines der ersten Medikamente, das zur Behandlung von Corona-Patienten eingesetzt wurde. Auch US-Präsident Donald Trump erhielt es kürzlich nach seiner Infektion. Die Ergebnisse der WHO-Studie stehen im Gegensatz zu einer US-Studie mit 1.062 Patienten, die Anfang des Monats im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht worden war. Danach verkürzte Remdesivir die Genesungszeit von COVID-19-Patienten um fünf Tage im Vergleich zu Erkrankten, die die Arznei nicht bekamen. Die Ergebnisse der WHO stünden im Widerspruch zu Studien, die den klinischen Nutzen von Remdesivir belegten, erklärte Gilead. „Wir sind besorgt, dass die Daten dieser globalen Studie nicht der strengen Überprüfung unterzogen wurden, die erforderlich ist, um eine konstruktive wissenschaftliche Diskussion zu ermöglichen, insbesondere angesichts der Einschränkungen des Studiendesigns.“
    Die Chef-Wissenschaftlerin der WHO, Soumya Swaminathan, hatte erklärt, dass bereits im Juni die Versuche mit Hydroxychloroquin und Lopinavir/Ritonavir gestoppt wurden, da sie wirkungslos waren. Remdesivir hatte im Mai von der US-Gesundheitsbehörde FDA eine Notfallgenehmigung erhalten und wurde seitdem auch in anderen Ländern zur Behandlung von COVID-19-Patienten erlaubt. Auch in Europa hatte es eine bedingte Zulassung erhalten. Gilead hat das Medikament ursprünglich zur Behandlung von Erkrankungen durch die Viren Ebola, Marburg, MERS und SARS entwickelt. (APA/ag.)

++ Update 12.10.2020 – Ö: Hohe Infektionszahlen, aber kein Lockdown – Sorge wegen steigender Zahlen in Europa – Geringes Risiko einer Infektion über die Augen – US-Studie zum Fall einer Reinfektion – Neuseeland sichert sich BioNTech-Pfizer-Impfstoff – AstraZeneca startete wichtige Tests für COVID-19-Medikament ++

  • 979 Neuinfektionen mit dem Coronavirus sind österreichweit innerhalb von 24 Stunden gemeldet worden (Stand: Montag, 9.30 Uhr). Das ist der bisher höchste von Innen- und Gesundheitsministerium vermeldete Wert an einem Montag. (Am Samstag war mit 1.235 Neuinfektionen sogar ein neuer Österreich-Rekord zu vermelden). 13.668 Tests wurden dabei innerhalb eines Tages ausgewertet. Vier weitere Menschen starben in Österreich mit dem Virus, womit bisher 855 Tote zu beklagen sind. Die Zahl der aktiven Fälle stieg um 358 auf 11.378 Betroffene.
    Der Schnitt der täglichen Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen lag am Montag bei 1.057. Die meisten neuen positiven Tests innerhalb der vergangenen 24 Stunden gab es mit 327 in Wien, gefolgt von 170 in Nieder- und 130 in Oberösterreich. Ebenfalls dreistellig waren die Fallzahlen mit 124 in Tirol, darunter lagen sie in Vorarlberg (72 Neuinfektionen), in der Steiermark (49), in Salzburg (48), in Kärnten (30) sowie im Burgenland (29).
    Bisher gab es in Österreich 56.298 positive Testergebnisse bei 1.822.931 Testungen. Am Montagvormittag galten 44.065 wieder als genesen. 561 Covid-19-Kranke befanden sich in krankenhäuslicher Behandlung, 34 mehr als am Vortag. 97 der Patienten wurden auf Intensivstationen behandelt, am Sonntag waren es 96 gewesen.
  • Die anhaltend starken Zuwächse bei der Zahl der Neuinfektionen, dazu eine effektive Reproduktionszahl von 1,13 und die Sieben-Tages-Inzidenz lassen Befürchtungen über einen zweiten Lockdown immer lauter werden. Die Sieben-Tages-Inzidenz beziffert, wie viele Menschen sich in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner angesteckt haben. Diese lag am Samstag für Gesamt-Österreich bei deutlich über 75. Die Inzidenz wird meistens herangezogen, um Reisewarnungen auszusprechen. Dabei liegt die Grenze meist um 50.
    Trotz dieser hohen Werte erteilte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) einem Lockdown am Sonntag jedoch eine Absage. Die gesetzlichen Vorgaben dafür seien mittlerweile sehr restriktiv. Nur vor einem flächendeckenden Zusammenbruch des Gesundheitssystems wäre dies möglich. „Davon sind wir Gott sei Dank meilenweit entfernt“, sagte er. Der Schwerpunkt liege nun bei regionalen Maßnahmen, die aufgrund des novellierten Covid-Gesetzes möglich seien. Man wolle das konkrete Ausbruchsgeschehen punktgenau treffen. Welche bundesweiten Maßnahmen er für den Fall des Falles in der Schublade hätte, wie er sie bereits am Freitag angedeutet hatte, wollte Anschober nicht sagen: „Da würden wir die Bevölkerung absichtlich verwirren.“ In den Medien wurde nämlich zumindest über einen „Lockdown light“ etwa mit verlängerten Herbstferien spekuliert. In Regierungskreisen gab es keinerlei Bestätigung dafür. (APA)
  • In Europa ist die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen nach Angaben der WHO erstmals über die Marke von 100.000 gesprungen. Vielerorts sind die Intensivstationen von Krankenhäusern bereits am Limit. Regierungen verhängen strengere Maßnahmen, um die Ausbreitung der Pandemie einzudämmen. Ein Überblick über die Entwicklung in der vergangenen Woche in wichtigen Ländern:
    SPANIEN ist mit 850.000 Infektionen besonders schlimm betroffen. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen lag zuletzt bei 115, 541 Menschen starben. Landesweit gelten strenge Maßnahmen, auch Maskenpflicht im Freien. Über Madrid wurde für zwei Wochen der Notstand verhängt.
    FRANKREICH hat in mehreren Großstädten bereits die höchste Corona-Warnstufe verhängt, u.a. Paris, Lyon und Marseille. Sorge herrscht über die Lage in den Pariser Krankenhäusern, wo der Anteil an Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen zunimmt. Generelle Ausgangsbeschränkungen im ganzen Land sollen verhindert werden. Mit mehr als 20.000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden gab es am Freitag einen Tageshöchstwert.
    TSCHECHIEN ist nach den jüngsten Zahlen der EU bei den Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner zum traurigen Spitzenreiter geworden. Kumulativ steckten sich binnen 14 Tagen 374,6 Menschen je 100.000 Einwohner an. Am Donnerstag wurden in dem 10,7-Millionen-Einwohner-Land 5.394 neue Fälle verzeichnet, der dritte Tagesrekord in Folge. Die Regierung hat Kultur- und Sportveranstaltungen verboten. Sollte die Kurve nicht abflachen, könnte bald ein dramatischer Engpass im Gesundheitssystem drohen.
    GROSSBRITANNIEN leidet ebenfalls stark: Mangel an Tests, ein Fleckerlteppich an Regelungen, marode Kliniken, Zehntausende Todesfälle. Die Regierung spricht von einer „gefährlichen“ Lage, Premierminister Johnson steht in der Kritik. Besonders stark betroffen sind der Norden Englands, Schottland, Nordirland und Teile von Wales, v.a. in Nordengland stehen die Kliniken vor dem Kollaps. Am Freitag meldeten die Behörden landesweit knapp 14.000 neue Fälle.
    ITALIEN sorgt sich über den steilen Anstieg der Infektionsfälle in dieser Woche. Am Freitag wurden  5.372 neue Ansteckungen registriert. Allerdings sterben pro Monat jetzt so viele Menschen an Covid-19 wie während der ersten Welle damals an einem Tag; die Intensivstationen sind mit annähernd 400 Covid-Patienten nicht am Limit.
    In den NIEDERLANDEN wurden am Freitag knapp 6.000 Neuinfektionen gemeldet. Die Zahl der Patienten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen steigt schnell. Innerhalb von sieben Tagen infizierten sich zuletzt 841 Menschen je 100.000 Einwohner, im Schnitt gab es 16 Tote pro Tag. Bürger und Experten fordern deutlich strengere Maßnahmen.
    BELGIEN verzeichnete zuletzt ebenfalls rasch steigende Zahlen. Die 14-Tage-Inzidenz lag zuletzt bei 280,7. In Brüssel sind Cafés und Bars nun für einen Monat geschlossen. Die Regierung verschärfte auch die landesweiten Regeln: Bürger dürfen pro Monat nur noch mit drei Personen außerhalb der Familie engen Kontakt pflegen. Um 23.00 Uhr ist Sperrstunde. (APA/dpa)
  • Eine Corona-Infektion über die Augen ist nach deutschen Medizinerangaben unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich. Reibe man sich beispielsweise die Augen mit Corona-kontaminierten Händen, „wäre eine Übertragung auf die Nasenschleimhaut oder die Atemwege denkbar“, sagte Clemens Lange vom Universitätsklinikum Freiburg auf dem Online-Jahreskongress der Deutschen Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) letztes Wochenende.
    Es gibt im Kopf Verbindungen zwischen den Augen und der Nase wie etwa Tränenwege. Bei derzeitiger Studienlage „weist jedoch nichts darauf hin, dass wir die Augen als bedeutsame Eintritts- oder Austrittspforte des Virus betrachten müssen“, stellte Lange fest. Einige Studien postulieren Lange zufolge, dass eine Ansteckung über die Bindehaut möglich ist. Es sei jedoch noch nicht eindeutig geklärt, ob die Zellen der Augenoberfläche genügend Eintrittspforten hätten. In keiner der Proben von 46 untersuchten Menschen seien relevante Mengen der für Corona wichtigen Rezeptoren ACE-2 oder TMPRSS2 in der Bindehaut festgestellt worden, sagte Lange, der an dieser Studie beteiligt war. Andere Forscher hatten in der Augenhornhaut Hinweise auf diese Rezeptoren gefunden, allerdings eine tatsächliche Corona-Übertragung darüber nicht geprüft.
    Eine Übertragung über die Tränenflüssigkeit ist Lange zufolge ebenfalls eher unwahrscheinlich. „Der regelmäßige Lidschlag des Auges sowie die geringe Augenoberfläche dürften verhindern, dass ausreichend Viren ins Auge gelangen können.“ Auch enthalte der Tränenfilm von Corona-Infizierten nur sehr selten Virenerbgut.
    Lange schließt eine Übertragung des Coronavirus über die Augen aber keinesfalls aus. Selbst bei augenärztlichen Untersuchungen dürfte jedoch von Aerosolen aus den Atemwegen infizierter Menschen ein deutlich höheres Infektionsrisiko für die Mediziner ausgehen als von Tränenfilm und Augenoberfläche der Patienten. „Obwohl wir derzeit eher keine Infektion über das Auge befürchten müssen, sind weitere Untersuchungen notwendig, um Aufschluss über die tatsächliche Infektiosität und mögliche Orte der Virusvermehrung zu erhalten“, mahnte DOG-Präsident Hans Hoerauf von der Universitätsmedizin Göttingen jedoch. Klinikpersonal sei trotz des offenbar geringen Risikos dringend zu raten, bei bestimmten intensivmedizinischen Arbeiten mit Coronapatienten die Augen durch eine Brille zu schützen. (APA/dpa)
  • In einer ersten Studie, die den Fall einer Reinfektion mit COVID 19 bestätigt, fanden Forscher Beweise, dass eine Person, die keine Immunschwäche oder Vorerkrankungen hat, in zwei separaten Fällen mit SARS-CoV-2 infiziert wurde. Laut der in „The Lancet Infectious Diseases“ veröffentlichten Studie wurde der 25-jährige Mann aus Nevada mit zwei verschiedenen SARS-CoV-2-Varianten innerhalb von 48 Tagen infiziert, dazwischen wurde er negativ getestet. Die zweite Infektion im Juni war stärker als die erste im April und führte zur Hospitalisierung mit Sauerstoffzufuhr. Inzwischen wurde er aus dem Spital entlassen und hat sich erholt. Der Hauptautor der Studie, Mark Pandori, PhD, Nevada State Public Health Laboratory, Reno School of Medicine, University of Nevada, weist darauf hin, dass eine frühere COVID-19-Exposition nicht zu einer garantierten völligen Immunität führt, aber es noch weitere Forschung auf dem Gebiet von Reinfektionen braucht, um zu genau verstehen, wie lange die Immunität bei Menschen anhält, die SARS-CoV-2 ausgesetzt waren, und warum diese Zweitinfektionen, wenn auch selten, schwerer ausfallen. Er verweist auch darauf, dass alle Personen, egal ob vorher schon eine Diagnose gestellt wurde oder nicht, dieselben Vorkehrungen treffen sollten, um eine Infektion mit SARS-CoV-2 zu verhindern, da eben nach Erkenntnissen der Studie eine frühere SARS-CoV-2-Infektion nicht unbedingt vor einer neuerlichen Infektion schützt. Weltweit gab es davor schon andere Fälle von Reinfektionen in Belgien, den Niederlanden, Hongkong und Ecuador, wobei aber nur im Fall in Ecuador die zweite Infektion stärker war als die erste. (Lancet Press Office)
  • Die neuseeländische Regierung sichert sich den Corona-Impfstoffkandidaten von BioNTech und Pfizer. Rund 1,5 Millionen Dosen des experimentellen Impfstoffes des US-Pharmaunternehmens in Zusammenarbeit mit dem deutschen Hersteller sollen voraussichtlich bereits im ersten Quartal 2021 zur Verfügung stehen, teilt die Regierung in Wellington am Montag mit. Dies sei ausreichend, um mit der Zweifach-Impfung 750.000 Menschen zu schützen. Verhandlungen mit weiteren Pharmaunternehmen über zusätzliche Dosen zur Impfversorgung aller rund fünf Millionen Einwohner würden fortgesetzt.
    Der Pfizer-BioNTech-Impfstoff ist einer der führenden Kandidaten im Rennen um die erste behördliche Genehmigung in den USA und Europa. Neuseeland verzeichnet mit mehr als 1.500 Coronavirus-Fällen – darunter 25 Todesfälle – weit weniger Infektionen als die meisten Industrienationen. (APA/Reuters)
  • Mit knapp einer halben Milliarde Dollar (knapp 423 Millionen Euro) unterstützt die US-Regierung die britische Pharma-Firma AstraZeneca bei der Entwicklung eines Medikaments gegen die Corona-Krankheit Covid-19. Gleichzeitig gab der Konzern am Montag den Start der dritten und entscheidenden Phase der klinischen Tests mit dem Antikörper-Wirkstoff AZD7442 bekannt. Die Studien sollen die Wirksamkeit und Sicherheit des Wirkstoffs prüfen.
    Mit insgesamt 486 Millionen Dollar (411 Millionen Dollar) sicherten sich die USA laut AstraZeneca die Lieferung von bis zu 100.000 Dosen zum Jahresende. Zudem hätten sie eine Option auf eine Million weiterer Dosen im kommenden Jahr.
    Im Rahmen von zwei Studien werden nach Angaben des Unternehmens 6.100 Probanden in den USA und anderen Ländern getestet. Die Studien sollen „in den nächsten Wochen“ beginnen. In einer weiteren Studie soll der Wirkstoff an rund 4.000 Covid-19-Patienten auf die Wirksamkeit zur Behandlung der Krankheit erprobt werden.
    AZD7442 ist eine Kombination aus zwei langlebigen Antikörpern, die von rekonvaleszenten Covid-19-Patienten stammen. AstraZeneca lizenzierte den Wirkstoff im Juni. Ende August hatte der Konzern mit Unterstützung der US-Regierung Phase-1-Studien mit AZD7442 eingeleitet. Das Pharmaunternehmen entwickelt darüberhinaus mit der Universität Oxford einen Impfwirkstoff, der zu den vielversprechendsten Impfstoff-Kandidaten weltweit zählt. (APA/ag)

++ Update 5.10.2020 – Anschober: Zahlen wieder stabil, aber viel zu hoch – Neandertaler-Genvariante erhöht Risiko für schweren Verlauf – STIKO dämpft Erwartungen an Impfung – Keine Durchimpfung der Bevölkerung in Großbritannien – Forscher: Koordiniertes Vorgehen hilft bei COVID-Bekämpfung ++

  • Die Zahl der bisher positiv Getesteten in Österreich ist bis heute (Stand 12 Uhr) auf 49.017 gestiegen, aktuell erkrankt sind 8.984 Personen, davon befinden sich 387 auf der Normalstation in Krankenhäusern und 101 auf der Intensivstation. Bei der Zahl der aktuell Erkrankten liegt Wien mit 4.515 Fällen an erster Stelle, gefolgt von Niederösterreich mit 1.196, Oberösterreich mit 948 und Tirol mit 751. Es wurden 818 Todesfälle wurden gemeldet, 795 davon gemäß Epidemiegesetz bestätigt.
  • 714 Corona-Neuinfektionen bei 12.505 Testungen für die vergangenen 24 Stunden: „Im Gegensatz zum Samstag (mit über 1.000 Neuinfektionen, Anm.) sind das heute wieder stabilisierte Zahlen, wie sie seit dem 20. September vorliegen. Allerdings sind diese Werte nach wie vor deutlich zu hoch, wir müssen runter mit den Zahlen. Daran arbeiten wir mit aller Kraft“, sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) zu den aktuellen Infektionszahlen vom Sonntag.
    Die stärksten Zuwächse kamen wieder aus Wien (249), Niederösterreich (134) und Oberösterreich (127). Die Zahl der „aktiven Fälle“ sei mit aktuell 8.704 „seit zwei Wochen relativ konstant“, resümierte der Ressortchef. Der Reproduktionsfaktor blieb wie seit Tagen „bei relativ erfreulichen 0,99“. Ein Infizierter steckt demnach im Schnitt geschätzt 0,99 weitere Personen an.
    Beim Blick ins Ausland seien die stark steigenden Infektionszahlen in vielen Teilen Europas auffallend, sagte Anschober. Im Nachbarland Tschechien etwa habe der Wert der Sieben-Tages-Inzidenz nach einem Tagesplus von 3,3 Prozent bereits 150 überschritten, für Österreich liege der Wert bei 58,5. Die Sieben-Tages-Inzidenz gibt an, wie viele Personen pro 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Virus angesteckt haben.
    Ungarn setzte mit plus 3,8 Prozent und die Slowakei mit plus 6,1 Prozent die ebenfalls starken Steigerungen fort, so der Minister. Auch die Niederlande (plus drei Prozent) und Belgien (plus 2,7 Prozent) würden wie Großbritannien (plus 2,7 Prozent) weiterhin starke Zuwächse verzeichnen. Österreich liege mit heute, Sonntag, bei einem Plus von 1,5 Prozent. (APA)
  • In diesem Sommer ergab eine groß angelegte internationale Studie, dass eine Gruppe von Genen auf Chromosom 3 mit einem höheren Risiko verbunden ist, im Falle einer COVID-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt und künstlich beatmet werden zu müssen. Hugo Zeberg und Svante Pääbo vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig haben den Gencluster nun analysiert. Sie haben entdeckt, dass die DNA-Sequenz in der Variante des Genclusters, das mit einem höheren Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 verbunden ist, den DNA-Sequenzen eines etwa 50.000 Jahre alten Neandertalers aus Kroatien sehr ähnlich ist und von Neandertalern stammt. „Es hat sich herausgestellt, dass moderne Menschen diese Genvariante von den Neandertalern geerbt haben, als sie sich vor etwa 60.000 Jahren miteinander vermischten“, sagt Zeberg. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen, die diese Genvariante geerbt haben, bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 künstlich beatmet werden müssen, ist etwa dreimal höher.“
    Die Studie zeigt auch erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Verbreitung dieser genetischen Risikovariante in verschiedenen Teilen der Welt. Besonders häufig findet sie sich bei Menschen in Südasien, wo etwa die Hälfte der Bevölkerung die Neandertaler-Variante im Genom trägt. In Europa hat einer von sechs Menschen die Risikovariante geerbt, während sie in Afrika und Ostasien so gut wie gar nicht vorkommt. Die Studie liefert jedoch keine Erklärung dafür, warum Personen mit dieser Genvariante ein höheres Risiko haben. Dies soll nun so schnell wie möglich erforscht werden. (Deutsches GesundheitsPortal)
  • Mitglieder der Ständigen Impfkommission in Deutschland dämpfen die Erwartungen an eine Impfung gegen das Coronavirus. In den ersten Monaten nach der Zulassung sei ein Impfstoff nur in begrenzter Menge verfügbar, sagten mehrere Virologen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.
    Zudem würden viele Monate vergehen, bis genügend Bürger geimpft seien, um Maßnahmen wie die Maskenpflicht oder Abstandsregeln aufzuheben. Bis in Deutschland wieder ein normales Leben möglich sein werde, könnten eineinhalb bis zwei Jahre vergehen, schätzte einer der Mediziner. (APA/Reuters)
  • In Großbritannien sollen einem Zeitungsbericht zufolge nur gefährdete Personen mit einem Coronavirus-Impfstoff geimpft werden. „Es wird keine Impfung von Menschen unter 18 Jahren geben. Es ist ein Impfstoff nur für Erwachsene, für Menschen über 50 mit Schwerpunkt auf Mitarbeitern des Gesundheitswesens und im Pflegedienst sowie für Risikogruppen“, sagte die britische Vorsitzende der Impfstoff-Task Force, Kate Bingham, in einem Interview der „Financial Times“ (Montagsausgabe).
    Das entspreche rund 30 der 67 Millionen Einwohner. Eine Durchimpfung der britischen Bevölkerung würde „nicht passieren“. Massenimpfungen seien die falsche Herangehensweise, da die Impfung bei gesunden Menschen, die wahrscheinlich keinen schweren Krankheitsverlauf zeigten, mehr Schaden als Nutzen anrichten könnte, so Bingham weiter. Großbritannien verzeichnet mit bisher über 42.300 Todesfällen die höchste Zahl an Todesopfern in Europa, insgesamt sind bereits über 500.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. (APA/Reuters)
  • Ein koordiniertes Vorgehen von Regierungen und Gesundheitsbehörden ist einer Studie zufolge ein wichtiger Schlüssel zur Bekämpfung der Corona-Pandemie. Dort, wo Regierungen und Behörden auf regionaler und nationaler Ebene zur Eindämmung von Corona-Ausbrüchen gut zusammengearbeitet hätten, sei die Bekämpfung am effektivsten gewesen, wie Forscher der Kingston University in London herausfanden.
    Deutschland schnitt in der Beurteilung der Forscher positiv ab. Die Politik habe früh reagiert und auf verschiedenen Ebenen mit unterschiedlichen Experten zusammengearbeitet. Als Folge sei die Zahl der Todesfälle – wenngleich sie in den Tausenden liege – deutlich kleiner als etwa in Großbritannien. Für ihren Bericht hatten die Forscher verglichen, wie die Regierungen in acht verschiedenen demokratischen Ländern – darunter Großbritannien, die USA und Deutschland – auf den Ausbruch der Corona-Pandemie reagiert haben, also etwa welche politischen Entscheidungen getroffen oder nicht getroffen wurden und wie dies den weiteren Verlauf der Pandemie beeinflusst hat.
    Länder wie Taiwan, das durch das SARS-Virus bereits Erfahrungen mit Epidemien hatte, hätten durch gezielte Maßnahmen recht erfolgreich reagiert, so ein weiteres Ergebnis der Analyse. Ähnliches gilt für Bulgarien, wo bereits bei Grippeausbrüchen in den vergangenen Jahren zeitweise Schulen geschlossen wurden.
    Die Bundesrepublik habe von ihrem robusten Gesundheitssystem und einem frühen Einschreiten profitiert. So seien etwa rechtzeitig Tests entwickelt und gelagert worden. „Als die ersten Ausbrüche auftraten, waren die Regierung und die Gesundheitsbehörden direkt in der Lage, Tests durchzuführen“, sagte der Politologe und Projektleiter Peter Finn über Deutschland. Für die beginnende zweite Welle riet Finn Entscheidungsträgern daher, sich gut abzustimmen und klar zu kommunizieren: „Ohne koordinierte Reaktionen von Entscheidern auf verschiedenen Ebenen und einer Öffentlichkeit, die zuhört, wachsen die Fallzahlen exponentiell.“ (APA/dpa)

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