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Tiroler Konzept für Schlaganfallpatienten

„Stroke-Card“ soll Nachsorge verbessern

Während es für die Nachbehandlung einer Krebserkrankung oder eines Herzinfarkts eine standardisierte Vorgangsweise gibt, fehlt nach einem Schlaganfall ein einheitliches Konzept. Zukünftig könnte hier das „Stroke-Card“-Konzept Anwendung finden.

Kiechl und Willeit

Eine Forschungsarbeit der Med Uni Innsbruck zeigt, wie die Nachsorge nach Entlassung aus dem Krankenhaus erheblich verbessert werden kann. Schlaganfall-Patienten, die nach dem neuen „Stroke-Card“-Konzept behandelt wurden, haben eine höhere Lebensqualität, weniger kardiovaskuläre Folgeerkrankungen und einen besseren Outcome. Das Konzept zur standardisierten Nachbehandlung wurde seit 2014 von der Innsbrucker Uniklinik für Neurologie und dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Wien evaluiert.

„In der wissenschaftlichen Arbeit präsentieren wir die Resultate einer der bisher weltweit größten kontrollierten randomisierten Studie zur Schlaganfall-Nachsorge“, erklärt der Direktor der Innsbrucker Universitätsklinik für Neurologie, Univ.-Prof. Dr. Stefan Kiechl (Bild links). Gemeinsam mit Univ.-Prof. Dr. Johann Willeit (Bild rechts) hatte er die Forschungsarbeit initiiert. 2.149 Patienen sind von Jänner 2014 bis Dezember 2017 in die Untersuchung eingeschlossen worden. 1.438 wurden nach dem „Stroke-Card“-Konzept behandelt und 711 erhielten die Standardbehandlung. Neben einer höheren Lebensqualität zeigte sich, dass die Rate der kardiovaskulären Folgeerkrankungen zurückgegangen ist. Das Risiko konnte von 8,3% auf 5,4%, also um etwa ein Drittel, reduziert werden. „Der Behandlungsleitfaden ist sehr effizient. Wir müssen 35 Patientinnen und Patienten nach einem Schlaganfall entsprechend dem ‚Stroke-Card‘-Konzept behandeln, um einen weiteren Schlaganfall oder Herzinfarkt zu verhindern“, erklärt Kiechl.

Multidisziplinäre Stroke-Teams

Das „Stroke-Card“-Konzept sieht vor, dass das multidisziplinäre Stroke-Team des Akutkrankenhauses für die Patienten nach der stationären Entlassung für weitere drei Monate neben dem Hausarzt Ansprechpartner bleibt. Nach der Entlassung können die Patienten mit einer App ihre Risikofaktoren überwachen. Mit Fragebogen werden Daten zu Lebensqualität und Folgeerkrankungen erhoben. Nach drei Monaten kommen die Patienten erneut für eine ambulante Nachsorgeuntersuchung ins Krankenhaus. „Dieses Konzept ist verhältnismäßig einfach umzusetzen und durch die Betreuung durch ein Team, das die Patientinnen und Patienten bereits kennt, sehr effektiv und für die Patienten motivierend“, so Kiechl.

Willeit P et al., EClinicalMedicine 2020; doi: 10.1016/j.eclinm.2020.100476

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