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Hochsensitiver Bluttest prognostiziert Verlauf neurologischer Erkrankungen

Neurofilamente gelten seit einigen Jahren als vielversprechende Biomarker, mit deren Hilfe das Ausmaß von Nervenzellschädigungen verlässlich quantifiziert werden kann.

Erhöhte Neurofilamentwerte konnten mittels Bluttest bei unterschiedlichen akuten und chronischen neurologischen Erkrankungen nachgewiesen und darüber hinaus aggressivere Krankheitsverläufe zu einem gewissen Grad prognostiziert werden. Wissenschaftlern an der Medizinischen Universität Graz ist es nun gelungen, erstmals in einer neurologisch gesunden Kohorte nachzuweisen, dass dieser blutbasierte Biomarker mit zunehmendem Alter individuell und stärker ansteigt, größere Variabilität zeigt und mit Volumenabnahme des Gehirns assoziiert ist. Daraus leiten die Wissenschafter ab, dass sich der aus dem Blut ermittelte Laborwert als Prognosemarker eignet und sensitiv genug ist, um subklinische Hirnveränderungen sogar bei neurologisch unauffälligen Personen anzeigen zu können.

Bisher waren die zur Verfügung stehenden Analyseverfahren nicht in der Lage, die im Vergleich zum Liquor weitaus geringeren Konzentrationen von Neurofilamenten im Blut zu messen. „Dies war bis vor Kurzem nur im Liquor möglich“, erklärt Assoz.-Prof. Dr. Michael Khalil von der Universitätsklinik für Neurologie der MedUni Graz. Technische Weiterentwicklungen und hier vor allem die Methode der hochsensitiven Einzelmolekülanalyse versetzen die Wissenschafter nun in die Lage, sehr geringe Konzentrationen von Neurofilamenten auch im Blut valide zu quantifizieren. „An der Medizinischen Universität Graz wurde das erste Gerät in Österreich für diese Laboruntersuchung angeschafft“, berichtet Khalil. Durch die Messung aus dem Blut, ist nun auch eine regelmäßige Kontrolle bzw. Bestimmung des Neurofilament-Wertes möglich, was der Wissenschaft neue Möglichkeiten eröffnet. In bereits publizierten Arbeiten wurde berichtet, dass sich der Wert der Neurofilamente eignet, um bei bereits an neurologischen Erkrankungen leidenden Personen den Krankheitsverlauf zu prognostizieren bzw. den Therapieerfolg zu messen. Eine detaillierte Untersuchung an einer Kohorte bestehend aus neurologisch gesunden Personen existierte bislang noch nicht.

„Für uns stellte sich die Frage, wie sich der Marker in einer neurologisch gesunden Kohorte über ein größeres Altersspektrum verhält, um so dessen Eignung als diagnostischer und prognostischer Marker bei neurologischen Erkrankungen besser abschätzen zu können“, fasst Khalil zusammen. Dabei entdeckten die Forscher, dass der Laborwert bei neurologisch unauffälligen Personen ab dem 60. Lebensjahr stärker und vor allem nicht-linear ansteigt. Zudem nimmt die Variabilität des Laborwertes ab dem 60. Lebensjahr signifikant zu. Auch mit der Gehirnatrophie korreliert der Marker vor allem ab dem 60. Lebensjahr sehr stark. Daraus schließen die Wissenschafter, dass Neurofilamente als Biomarker geeignet sind, sogar um Hirnveränderungen anzuzeigen, obwohl klinisch noch keine neurologischen Auffälligkeiten festzumachen sind. „Unsere Forschung zeigt, dass Neurofilamente als Biomarker zur Krankheitsprognose geeignet erscheinen. Es ist anzunehmen, dass eine Zunahme von Neurofilamentwerten über einen gewissen Beobachtungszeitraum innerhalb einer altersabhängigen Perzentile lediglich mit Veränderungen im Rahmen eines normalen Alterungsprozesses einhergehen. Verlässt der ansteigende Wert jedoch die jeweilige Perzentile, dann besteht Handlungsbedarf“, fasst der Experte zusammen.
(Khalil M et al., Nature Communications 2020, https://doi.org/10.1038/s41467-020-14612-6)

 

Assoz.-Prof. Dr. Michael Khalil, Universitätsklinik für Neurologie, MedUni Graz stellte beim ECTRIMS 2018 in Berlin sein Poster zum Thema Neurofilamente vor. Sehen Sie hier das Videointerview dazu >>

 

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