Home / Politik / Steirische Triage: Bilanz der Hotline 1450 mit Lücken im Visitendienst

Kommt Modell „Tele-Ärzte mit Sanitäter-Einsatz“?

Steirische Triage: Bilanz der Hotline 1450 mit Lücken im Visitendienst

Kürzlich zog das Land Steiermark mit der ÖGK und ohne Ärztekammer unter Berücksichtigung der Corona-Pandemie eine erste Bilanz zur steirischen Hotline-Variante 1450, über die auch der Visitendienst 141 triagiert wird. Da sich in manchen Regionen zu wenige Ärzte für die freiwilligen Bereitschaftsdienste melden, prüft das Land „neue Versorgungsvarianten“ mit Tele-Ärzten und Sanitäter-Einsatz. Ärzte und ihre Vertreter sind davon wenig begeistert und präferieren andere Lösungen. Rätsel gibt auch die nach Tirol bundesweit zweithöchste COVID-19-Todesrate in der Grünen Mark auf.

Man müsste es „unverzüglich erfinden“, wenn es das Gesundheitstelefon noch nicht gäbe, schwärmt Josef Harb, Landesstellenausschuss-Vorsitzender der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), „überspitzt formuliert“ von den Vorzügen der Hotline während der Corona-Pandemie. Diese zeige „auf drastische Art und Weise, wie unverzichtbar eine professionelle telefonische Gesundheitsberatung für die Steirerinnen und Steirer ist“. Wobei Harb (rechts im Bild) auf der Pressekonferenz mit VP-Gesundheitslandesrätin Mag. Dr. Juliane Bogner-Strauß und Dr. Bernd Leinich (links im Bild), Geschäftsführer des Gesundheitsfonds Steiermark, am 08.07.2020 betont, dass 1450 „keine reine Corona-Hotline“ sei, sondern auch bei anderen gesundheitlichen Problemen als „Erstanlaufstelle“ zur Verfügung stehe.

Steiermark: 1450 triagiert auch Visiten

Doch die steirische Hotline 1450 ist bundesweit ein Sonderfall: Mit 1. April 2019, dem Start von 1450, wurde nämlich auch der ärztliche „Bereitschaftsdienst Neu“ ein- bzw. mit der Hotline zusammengeführt: Egal, ob der steirische Patient die Nummer 141 wählt, 1450 hebt ab – und entscheidet. Auch über Visiten, die Ärzte müssen fahren. Die Visitendienste seien „nur nach vorgeschalteter Triage durch speziell ausgebildetes diplomiertes Gesundheits- und Krankenpflegepersonal, ergänzt durch Tele-Ärzte“ möglich, wird dieses Vorgehen in der gemeinsamen Aussendung von ÖGK und Gesundheitsfonds Steiermark beschrieben.

Die telefonische Gesundheitsberatung „Wenn’s weh tut! 1450“ habe in der Steiermark „sämtliche Erwartungen“ übertroffen und gegenüber anderen Bundesländern „sechs- bis achtfache Anruferzahlen“. Mehr noch: Das Gesundheitstelefon 1450 sei „ein Wegweiser, der Hausärztinnen und Hausärzte, die Gesundheitszentren, die Notfallversorgung sowie die Spitzenmedizin im Krankenhaus miteinander vernetzt“, sagt Bogner-Strauß. Die Spezialisten der Leitstelle des Roten Kreuzes würden dafür sorgen, dass die Steirer, „die die Nummer 1450 wählen, die gesundheitliche Einschätzung und die Hilfe bekommen, die sie brauchen“, betont die Gesundheitslandesrätin, „diese maßgeschneiderte Information ermöglicht beste individuelle Versorgung von höchster medizinischer Qualität“.

Zu Corona-Zeiten bis zu 4.500 Anrufe täglich

Die meisten Anrufe erfolgen nach Schließung der Kassenordinationen (Werktage ab 17 Uhr bzw. Freitage ab 13 Uhr). Am Wochenende sind die Spitzenzeiten zwischen 8 und 10 Uhr und wieder ab 17 Uhr. Von Juli 2019 bis Februar 2020 wurde demnach 1450 an Werktagen (außer Freitag) im Schnitt 450 Mal täglich angerufen, an Freitagen rund 160-mal bzw. an Wochenend- und Feiertagen rund 400 bis 450-mal pro Tag1. Mit der Etablierung der Website www.ordinationen.st (mit knapp 150.000 Zugriffen bis 31. März) hätten sich die Anrufe auf 1450 ab Juli 2019 stabilisiert.

Zu Beginn der Corona-Pandemie zählte man im März 47.549 Anrufe mit Spitzenwerten von 4.500 Anrufen täglich (zum Vergleich Juni 2020: 10.052 mit 450 Anrufen pro Tag Ende Juni). Ein „Corona-Bereitschaftsdienst“ mit Visitenärzten (Regionen Hartberg-Joglland, Wildon, Graz, Leoben-Bruck, Liezen und Leibnitz) kümmert sich um Patienten mit bestätigter COVID-19-Erkrankung oder Menschen in „Corona-Quarantäne“ aufgrund behördlicher Anordnung.

Nur 200 Ärzte buchen regelmäßig Visitendienste

Zur Bilanz des dreijährigen Pilotprojekts „Bereitschaftsdienst Neu“: Mit 31. März 2020 haben 466 Ärzte, davon 340 Kassenvertragsärzte, ihre Teilnahmeerklärung abgegeben. Jedoch würden von den 466 nur etwa 200 regelmäßig an Visitendiensten teilnehmen, wobei etwa 50 Ärzte (meist Wahlärzte) von diesen Diensten ihr Haupteinkommen beziehen. Insgesamt wurden 9.653 Visitendienste von Kassenärzten und 6.098 von Ärzten ohne Kassenvertrag durchgeführt.

Etwa drei Viertel der Patienten mit einem „1450-Beratungsgespräch“ erhalten eine Visite zugeteilt – am Wochenende sogar 90 Prozent der „triagierten“ Anrufer. Die nachträglich mit 20. Juli 2019 eingeführten Bereitschaftsdienstordinationen von 8 bis 11 Uhr an Samstagen, Sonn- und Feiertagen zeigten seit Einführung mit rund 60 Prozent eine „gute“ und aktuell über die letzten Monate mit zirka 93 Prozent eine „sehr gute“ Buchungslage.

Unterschiedlicher Besetzungsgrad mit „Problemzonen“

Weniger zufrieden sei man jedoch mit dem Besetzungsgrad in gewissen Regionen, was man auf die freiwillige Teilnahme am Bereitschaftsmodell zurückführe. Explizit werden Aichfeld, Mürztal und Oststeiermark (Hartberg-Fürstenfeld, Feldbach) genannt, die „unterdurchschnittlich und bisher nicht zufriedenstellend“ gebucht seien. Auch die von Ärzten und von der Interessensvertretung geforderte Aufsplittung der „großen“ Region Judenburg, Knittelfeld-Trofaiach in Judenburg, Knittelfeld-Zeltweg und Trofaiach habe zu keiner Steigerung der Visitendienstbuchungen geführt.

Tatsächlich ist der Unterschied durch die Erhöhung um drei Regionen auf nunmehr 25 Regionen marginal: Die durchschnittliche Buchung belief sich vor Einführung der Ordinationen auf rund 71 Prozent, derzeit liegen die Buchungen (1. Juli 2019 bis 21. März 2020) an Wochentagen bei 61 Prozent und an Wochenenden bei 79 Prozent. Die Einführung der Bereitschaftsordinationen habe die Versorgung zusätzlich verbessert. Aber: Bezüglich der optimalen Auslastung in den Regionen würden „neue Versorgungsvarianten mit Tele-Ärztinnen und Tele-Ärzten und Sanitäter-Einsatz“ geprüft.

Denn man habe mit der Abschaffung des verpflichtenden Bereitschaftsdienstes an Wochenenden und Feiertagen im Vorjahr eine langjährige Forderung der Ärzteschaft umgesetzt, erinnert Harb. Das neue Modell funktioniere zwar in den meisten Regionen sehr gut, jedoch habe man immer noch „einige Problemzonen“, wo „aus schwer nachvollziehbaren Gründen“ zu wenige Ärzte bereit seien, Bereitschaftsdienste zu übernehmen: „Wir werden uns sehr genau ansehen, warum die Freiwilligkeit gerade in diesen Regionen an ihre Grenzen stößt – schließlich haben wir einen Versorgungsauftrag, der überall erfüllt werden muss!“

Was ein Visitenarzt und „1450-Hintergrundarzt“ erzählt

Dr. Sassan Lachini, Allgemeinmediziner in Öblarn

Tele-Ärzte und Sanitäter können einen Arztkontakt nicht ersetzen, sagt dazu Dr. Sassan Lachini, Allgemeinmediziner in Öblarn, Bezirk Liezen: „Es gibt genug Ärzte, welche bei ausreichender Bezahlung diesen Dienst zur vollständigen Zufriedenheit aller erfüllen könnten, es muss jedoch wieder eine ‚neue Dienstschiene‘ Telefonarzt eröffnet werden.“ Der Facharzt für Anästhesie und Intensivmediziner ist sowohl Visitenarzt als auch als 1450-Hintergrundarzt in das System eingebunden. Dieses basiere in der Steiermark auf einem standardisierten Abfrageschema (LowCode, https://prioritydispatch.net/low-code/), welches nur von diplomiertem Krankenpflegepersonal bedient wird.

„Krankheitsrelevante Auskünfte führen über ein elektronisches Abfrageschema zu einem Beratungsergebnis, welches das gesamte Spektrum von Anleitung zur Selbsthilfe bis zum Einleiten eines Notfalleinsatzes beinhaltet. Weitere Ergebnisse sind die Empfehlung, einen Arzt innerhalb einer konkreten Frist zu konsultieren. Daraus ergibt sich die Entscheidung zu einer Visite bzw. Fach- oder Allgemeinarztbesuch“, erläutert Lachini, „falls das System keine plausible Entscheidung trifft, ist als Backup für die Nurses ein Arzt im Dienst. Die Entscheidung wird nach Rücksprache mit diesem für diesen Einzelfall revidiert und fließt in die Entwicklung des Systems ein.“

Lücken und mögliche Lösungen

Seine Erfahrungen mit der Triage von Visiten beschreibt Lachini wie folgt: „Die Vorinformationen sind sehr gut. Ich bin sehr dankbar, dass die Nurses viele Anfragen, welche gar keinen Arzt benötigen, abarbeiten. Die Datenqualität – sowohl für Visite als auch zur Entscheidungsfindung als Hintergrundarzt – ist hilfreich.“ Das Beratungsergebnis würde jedoch öfter einen Arztbesuch vorschlagen, dieser sei nicht möglich, da am Abend oft keine Ordination geöffnet habe. „Da wir in vielen Fällen die Vorgeschichte unserer Patienten kennen, ist eine fundiertere telefonische Hilfestellung möglich. Aus meiner Sicht wäre das Beratungsergebnis ‚Arztkontakt‘ eine gute Lösung“, schlägt Lachini vor. Der Visitenarzt könnte in Absprache mit dem Patienten entscheiden, ob die Beratung telefonisch, in der Ordination oder als Hausbesuch stattfinden soll.

Die Lücken in der Besetzung resultieren für ihn aus der „Ungleichheit in der Honorierung“. Kleine Bezirke erhalten eine höhere Grundpauschale, die Wege in den größeren Regionen seien weit länger. Die Lösungen aus seiner Sicht: einheitliche Bezahlung (die sich an den besser bezahlten Regionen orientiert), Kilometergeld für weite Wege (Regionen mit 50 km und mehr), freie Entscheidung für Telefonat, Ordination oder Visite sowie Ordinationsdienste vormittags (8–11) und nachmittags (17–18 Uhr).

Weitere Lücken im System seien die Totenbeschau und die UBG-Untersuchungen. Vor allem gibt es im neuen System keinen Arztkontakt von 0:00 bis 7:00. „Palliativ-Patienten und deren Angehörige benötigen auch zu diesen Zeiten einen Ansprechpartner. Vieles kann telefonisch gelöst werden. Manchmal ist es unumgänglich, einen Arzt/Palliativschwester vor Ort zu haben“, sagt Lachini.

Die Patienten hätten übrigens je nach Alter einen einfacheren oder schwierigeren Zugang zu 1450 und www.ordinationen.st, weiß Lachini, wobei Patienten aus Niederösterreich den 1450-Kontakt als sehr kompetent empfinden. „Alle sind dankbar, wenn ein Arztkontakt stattfindet“, berichtet der Allgemeinmediziner, „viele würden auch gerne in Kauf nehmen, in die Ordination zu kommen und finden eine Visite als übertriebenen Aufwand.“

Ärztekammer Steiermark: Reduktion von Sprengeln zu „drastisch“

Dr. Norbert Meindl, Obmann der niedergelassenen Ärzte.

Auch die Ärztekammer Steiermark wehrt sich auf Anfrage von medonline gegen den Vorwurf von „Problemzonen“: „Es sind zwei oder drei Regionen mit niedriger Beteiligung an den Visitendiensten“, sagt Vizepräsident Dr. Norbert Meindl, Obmann der niedergelassenen Ärzte. Als gewichtigen Grund nennt er, dass die Regionen immer noch zu groß seien: „Es wurde ja leider nur kosmetisch nachgebessert, indem aus zwei Regionen im Murtal drei gemacht wurden. Da sollte einfach mehr passieren. Die Reduktion von mehr als 90 auf 25 Regionen war einfach zu drastisch. Wenn ich einen Arzt im Haus brauche, und ich bekomme nur einen Rettungstransport-Fahrer oder ein Telefonat bzw. eine Videoschaltung, wird das die Hilfesuchenden kaum befriedigen“, präzisiert Meindl.

Warum kein Standesvertreter bei der Pressekonferenz dabei war, erklärt Meindl damit, dass die so genannten Zahler – „eigentlich sind das ja die Steuerzahler und Sozialversicherten“ – offenbar unter sich bleiben wollten. Aber sie hätten einige von den Fachleuten der Ärztekammer eingebrachten Erfolgsfaktoren als sehr positiv hervorgehoben: die Ordinationen am Wochenende und an den Feiertagen sowie die Einbeziehung der Wahl- und Wohnsitzärzte beim Visitendienst. Und noch etwas liegt Meindl am Herzen: Bei der Pressekonferenz hätten die Organisatoren darauf hingewiesen, dass die Ratsuchenden am Telefon bis zu einer Stunde gewartet haben und das mit dem großen Ansturm erklärt. „Es wäre gut gewesen, wenn sie das früher gesagt und sich bei den Menschen entschuldigt hätten“, so der ärztliche Rat in Richtung Land und Gesundheitsfonds.

Relativ viele Corona-Tote: „Wir sollten uns zusammensetzen“

Dr. Herwig Lindner, Präsident der ÄK Steiermark

Auf die Frage, ob die im Bundesländer-Vergleich auffällig hohe COVID-19-Mortalitätsrate in der Steiermark (laut Statistik Austria 5,4 Prozent COVID-19-Sterbefälle in Prozent aller Sterbefälle, der zweithöchste Wert nach Tirol, noch vor Wien mit 5,0 Prozent) an einer höheren Dunkelziffer der nicht erkannten bzw. nicht getesteten Fälle liegt, sagt Infektiologe und Präsident der Ärztekammer Steiermark Dr. Herwig Lindner: „Über die Gründe für die unterschiedlichen Mortalität in den Bundesländern, wie sie von der Statistik Austria errechnet wurde, kann man derzeit nur spekulieren. Die Zahl der COVID-19-Sterbefälle in Prozent aller Sterbefälle liegt demnach zwischen 1,1 und 8,7 Prozent, je nach Bundesland. Ein Zusammenhang zwischen der Testungsroutine und diesen Zahlen ist eine der möglichen Ursachen.“

Es sei aber zu früh für eine abschließende Erklärung, „möglicherweise falsche Begründungen bringen uns nicht voran, wohl aber eine unvoreingenommene Analyse aller Maßnahmen“, betont Lindner und schlägt vor: „Wir sollten uns zusammensetzen und das ehrlich besprechen. Es geht nicht um Schuldzuweisung, sondern um Erkenntnisgewinn.“

1 Mehr auf: https://www.gesundheitskasse.at/cdscontent/?contentid=10007.860029&portal=oegkstportal

 

ÖÄK ad 1450: Bundesweite, einheitliche Lösung wäre „wünschenswert“

Zur unterschiedlichen Ausgestaltung von 1450 sagt Dr. Harald Mayer, Bundeskurienobmann der Angestellten Ärzte, ÖÄK:

„Für die beste Patientenversorgung und angesichts des Ärztemangels ist es unumgänglich, mit der Ressource Arzt sparsam umzugehen und sie bestmöglich einzusetzen. Dazu gehört auch, die Ambulanzen zu entlasten und Patienten niederschwellig gut zu versorgen. Das ist einerseits durch eine gute telemedizinische Beratung, durch die Gesundheitshotline 1450 möglich. Entweder die Beschwerden werden soweit geklärt, dass kein Arztbesuch nötig ist, oder die Patienten werden von 1450 an Fachärzte/Allgemeinmediziner verwiesen oder ein Visitenarzt organisiert. Für den Ausbau von 1450 wäre eine Qualitätssicherung notwendig, dazu gehört auch eine entsprechende Schulung der Mitarbeiter. Und eine Transparenz, auf welcher Basis Entscheidungen getroffen werden. 1450 wird in den Bundesländern ganz unterschiedlich geregelt, wünschenswerte wäre eine bundesweite, einheitliche Lösung, wer bei 1450 tätig ist und wie Entscheidungen getroffen werden. Derzeit fehlt die Übersicht, da sich jedes Bundesland anders organisiert.

Die COVID-19-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig die passende Versorgung am richtigen Ort ist, um zu vermeiden, dass Patienten zu schnell in die Ambulanz kommen, wenn dies gar nicht nötig ist. Wichtig wäre, das auch weiterhin so beizubehalten. Der Ausbau von telemedizinscher Erstberatung sowie die Einrichtung von vorgelagerten Strukturen vor den Spitälern, ist eine explizite Forderung der Bundeskurie angestellte Ärzte und auch Inhalt einer aktuellen Resolution der BKAÄ*.

Der Einsatz von Tele-Ärzten in Regionen, in denen eine flächendeckende Versorgung schwierig ist, ist grundsätzlich denkbar, um zu lange Anfahrten der Patienten sowie eine Überlastung von Ambulanzen zu vermeiden. Wichtig ist, wie bei allem, dass die Qualität der Patientenversorgung gewahrt bleibt.“

*siehe auf: https://www.aerztekammer.at/home/-/asset_publisher/topnews/content/id/652177

 

Drei Fragen an den Gesundheitsfonds

Wie viele der Anrufer haben 1450 gewählt und wie viele 141 und wie lange war die durchschnittliche Wartezeit?

Dr. Bernd Leinich, Geschäftsführer des Gesundheitsfonds Steiermark: Wir haben von 01.04.2019 bis 31.03.2020 insgesamt 144.944 Anrufe bei 1450 und 141 verzeichnet. Aufgrund der gemeinsamen Beantwortung bzw. Bearbeitung dieser Anrufe ist keine Detailaussage zu 141 möglich. Der Median der Abhebedauer (nach Ende der Tonbandansage gemessen) beträgt an Wochentagen neun Sekunden und am Wochenende 35 Sekunden. Während der COVID-19-Intensivphase ab 12.03. bis 12.04. waren deutlich längere Wartezeiten zu vermelden und danach sind wir bei 55 bzw. 42 Sekunden.

Wie weit ist die Prüfung der Versorgungsvariante mit Tele-Ärzten und Sanitäter-Einsatz schon gediehen?

Leinich: Wir haben uns ein organisatorisches und technisches Konzept erstellt und warten zurzeit auf die Zustimmung des Bundesministeriums für Gesundheit als unsere Aufsichtsbehörde. Wir können erst danach Aussagen dazu machen und ersuchen dazu um Geduld.

Was sind die Ursachen der im Bundesländer-Vergleich auffällig hohen COVID-19-Mortalität von rund 8 Prozent der bestätigten Fälle (154 Todesfälle/1949 bestätigte Fälle, Sozialministerium, Stand 14.07.2020)? Falls die Dunkelziffer der nicht erkannten Fälle/nicht getesteten Fälle höher ist als anderswo: Wurde via 1450 restriktiver getestet als in anderen Bundesländern?

Leinich: Das liegt am hohen Anteil zu Pflegeheim-COVID-Patienten. Die Testung bei 1450 verlief nach dem identen BMG-Protokoll und es wurden 500 bis 600 tägliche Testungen durchgeführt.

LOGIN