Home / Wann ist ein anderer Facharzt beizuziehen?

Wann ist ein anderer Facharzt beizuziehen?

In einer aktuellen Entscheidung musste sich der Oberste Gerichtshof mit der interessanten Frage beschäftigen, unter welchen Umständen Vertreter anderer Fächer beizuziehen sind. Das Höchstgericht führte zunächst allgemein aus, dass im Rahmen des ärztlichen Behandlungsvertrags eine Behandlung nach den Regeln der ärztlichen Kunst geschuldet wird.

Maßgebend sei der aktuelle Stand der Erkenntnisse der medizinischen Wissenschaft. Ärzte haben nach § 1299 ABGB den Mangel der gewissenhaften Betreuung ihrer Patienten nach Maßgabe der ärztlichen Wissenschaft und Erfahrung zu vertreten, also jene Sorgfalt, die von einem ordentlichen und pflichtgetreuen Durchschnittsarzt in der konkreten Situation erwartet wird. Der vom Arzt einzuhaltende Sorgfaltsmaßstab werde demnach durch die typischen und objektiv bestimmten Fähigkeiten eines Angehörigen des betreffenden Verkehrskreises vorgegeben. Entscheidend sei der Leistungsstandard der betreffenden Berufsgruppe. Bei § 1299 ABGB gehe es somit um den durchschnittlichen Fachmann des jeweiligen Gebiets, der prinzipiell der maßgerechte im Sinn dieser Bestimmung ist. Besteht bei einer orthopädischen Operation ein ernstzunehmendes Risiko (Wahrscheinlichkeit von bis zu 3,7 %), dass eine verwendete Schraube so positioniert wird, dass sie einen Nerv (z.B. Ischiasnerv) irritiert, und werden trotz einschlägiger Beschwerden des Patienten bei der vorzeitigen Kontrolluntersuchung weder ein Neurologe beigezogen, noch neurologische Untersuchungen, wie etwa die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, durchgeführt, so ist von Fahrlässigkeit auszugehen.

Ihre Vorteile auf medonline.at

  • Personalisierte Inhalte auf Ihr Profil zugeschnitten
  • DFP Fortbildung: e-Learnings, Literaturstudien & MM-Kurse
  • Aktuelle Fachartikel, State-of-the-Art-Beiträge, Kongressberichte, Experteninterviews

Registrieren Sie sich jetzt kostenlos & bleiben Sie top-informiert!

LOGIN