18. Mai 2019Dr. Ernest Pichlbauer

Masern, der elektronische Impfpass und Österreich

Das erste Mal taucht die Idee der elektronischen Datenverarbeitung im Impfwesen in der E-Health-Strategie 2005 auf. 2006 findet man Aussagen auf EU-Ebene, dass wir an einer elektronischen Registrierung arbeiten, die valide Daten zur Durchimpfungsrate liefern sollte. 2008 haben wir der EU gesagt, dass der damalige Masernausbruch nicht mehr vorkommt – denn ab 2009 wird es die elektronische Registrierung geben, mit der wir Impflücken finden und schließen werden. Tja, und angeblich wird jetzt der e-Impfpass kommen – ab 2021. In der Zwischenzeit haben wir Impfdaten geraten – heißt ja auch Durchimpfungsrate!

Wie ich darauf komme? Erstens haben wir zwischen 2000 und 2009 der OECD eine Durchimpfungsrate bei Masern – errechnet aufgrund abgerufener Impfdosen (Impfdaten hatten wir ja keine) – gemeldet, die zwischen 74 und 81 Prozent schwankten (damit waren wir europaweit immer Schlusslicht). Dann haben wir geschwiegen – denn die nächste Meldung dürfte erst 2014 geschehen sein. Die abrufbaren Daten zwischen 2009 und 2014 können nur retrograd geraten worden sein, steigt die Durchimpfungsrate in der Zeit doch exakt linear, endet bei 96 Prozent, also etwa der Zielvorgabe der WHO, und ist seither stabil. So eine lineare Steigerung, die dann genau dort endet, wo es sein soll, ist höchst unwahrscheinlich. Und zweitens gibt es einen WHO-Bericht aus 2016, in dem zu lesen ist, dass das Ministerium anhand einer Modellrechnung (Impfdaten gab es ja immer noch nicht) für 2015 von einer Durchimpfungsrate von 82 Prozent ausgeht – eine Rate, die besser zur Historie vor 2009, aber eben nicht zur OECD passt.

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Dieser Beitrag erschien auch im Printmagazin Medical Tribune